"Lifeline"-Kapitän Reisch in Malta freigesprochen

"Lifeline"-Kapitän Reisch in Malta freigesprochen
Hilfsorganisation: Wichtiges Signal für Seenotrettung
Ein überraschendes Signal aus Malta: Der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist freigesprochen worden. Der Verein rechnet nun damit, dass das 2018 beschlagnahmte Schiff freigegeben wird.

Der Seenotrettungskapitän Claus-Peter Reisch ist in Malta vom Vorwurf der falschen Schiffsregistrierung freigesprochen worden. Es sei unglaublich, erklärte er am Dienstag in einer ersten Reaktion nach dem Urteil per Twitter. Auch bei der Hilfsorganisation Mission Lifeline, für die Reisch die Schiffe "Lifeline" und "Eleonore" gesteuert hat, löste das Urteil Freude aus. "Wir sind erleichtert, die lange Zeit des Wartens ist vorbei", sagte der Sprecher der Organisation, Axel Steier, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden.

Gegen Reisch war 2018 nach einer Rettungsaktion mit der "Lifeline" Anklage erhoben worden. Er hatte mit seiner Crew 234 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und musste tagelang auf die Erlaubnis für einen Hafen warten. Beim Anlegen in Valletta wurde der Kapitän kurzzeitig festgenommen und das Schiff beschlagnahmt. Im Mai 2019 verurteilte ihn ein maltesisches Gericht zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro, wogegen er Berufung einlegte.

"Wir sind aber auch überrascht, mit einem Freispruch hätten wir nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nicht gerechnet", fügte Steier hinzu. Der Verein hatte zuvor mehrfach auf die "desolate rechtsstaatliche Situation" auf Malta hingewiesen. Für die Seenotrettung sei der Freispruch des Kapitäns "ein wichtiges Signal". "Wir hoffen, dass der Weg weitergehen wird und die Kriminalisierung aufhört."

Nach dem Freispruch rechnet die Hilfsorganisation damit, dass die maltesischen Behörden die "Lifeline" nun freigeben werden. Laut Steier will der Verein das Schiff verkaufen. Die Seenotretter haben vor kurzem ein weiteres Schiff erworben, nachdem auch das zweite Schiff, die "Eleonore" in Italien beschlagnahmt ist. Die "Rise Above" wird derzeit umgebaut und auf ihre erste Mission vorbereitet.

Reisch wird Steier zufolge jedoch künftig nicht mehr für "Mission Lifeline" im Einsatz sein. Es sei dessen persönliche Entscheidung gewesen und habe sich schon im Herbst abgezeichnet.

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