Klimaexperte verlangt mehr EU-Einsatz bei Emissionshandel

Klimaexperte verlangt mehr EU-Einsatz bei Emissionshandel
epd-Gespräch
12.12.2019
epd-Gespräch: Jan Dirk Herbermann
epd

Die Verhandlungen über den Emissionshandel treten bei der Weltklimakonferenz laut dem Experten Linus Herzig in die entscheidende Phase. "Bislang ist kein Durchbruch erzielt worden und ein Abkommen soll eigentlich am Freitag fertig sein", sagte Herzig, Referent für CO2-Preise der Entwicklungsorganisation Germanwatch, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Madrid. Ob noch eine Übereinkunft zustande komme sei unklar. Ein Abkommen wäre einer zentraler Erfolgsbaustein der Konferenz.

Herzig verlangte vor allem von den Europäern mehr Engagement. Die EU müsse ihr politisches und wirtschaftliches Gewicht in die Waagschale werfen, um alle Schlupflöcher zu stopfen. Für den Klimaexperten steht fest: "Keine Übereinkunft in diesem Jahr ist besser als eine schlechte Übereinkunft jetzt mit zu vielen Lücken, die dem Klimaschutz und den Menschenrechten schaden." Zu den Bremsern bei den Gesprächen in Spaniens Hauptstadt gehören nach den Beobachtungen Herzigs die Delegationen aus Brasilien, Indien, Saudi-Arabien, Ägypten und Australien. Die Regierungen dieser Länder würden von unterschiedlichen Motiven getrieben, erläuterte Herzig.

Der geplante Emissionshandel birgt nach den Erkenntnissen des Experten zentrale Risiken für "die Umweltintegrität des Pariser Klimaabkommens". In Artikel 6 des Abkommens ist nur eine internationale Kooperation skizziert, eine konkrete Ausgestaltung des Regelwerks soll in Madrid erzielt werden. Grob gesagt soll ein Land Rechte zum Ausstoß von CO2 kaufen können, das in einem anderen Land durch Klimaschutzprojekte eingespart worden ist.

"Es muss ein robustes Regelwerk beschlossen werden", erläuterte Herzig. Essenziell sei dabei, Doppelzählungen zu verhindern - sowohl beim zwischenstaatlichen Handel als auch im Zusammenspiel mit privatwirtschaftlichen Initiativen. "Findet eine Reduktion nur einmal statt, wird aber von zwei Parteien angerechnet, wird das Niveau des globalen Klimaschutzes gesenkt", führte Herzig aus.

Zudem müssten Verletzungen von Menschenrechten und von Sozialstandards unbedingt vermieden werden. Zum Beispiel könnten Regierungen in armen Ländern wehrlose Einwohner vertreiben, um Staudämme oder andere Projekte zur nachhaltigen Energiegewinnung zu errichten. "Auch sollten keine internationalen Zertifikate für Emissionsreduktionen aus der Vergangenheit für das Erreichen der künftigen Klimaziele anerkannt werden", verlangte Herzig.

"Wenn ein Abkommen gelingt, darf die Politik nicht der Idee verfallen, fortan Klimaschutz vor allem im Ausland einzukaufen", mahnte Herzig. In allen Ländern müsse spätestens 2050 Treibhausgasneutralität erreicht sein. Dabei müssten die Industriestaaten aufgrund ihrer besonderen Verantwortung bereits deutlich früher treibhausgasneutral werden, hielt der Fachmann von Germanwatch fest.

Die Weltklimakonferenz in Madrid endet planmäßig am Freitag. Die Delegationen aus mehr als 190 Ländern sollen sich auf ein Schlussdokument einigen, das dem Kampf gegen die Erderwärmung neuen Schub gibt.

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