Dutzende Fälle körperlicher Gewalt in kirchlichen Knaben-Internaten

Dutzende Fälle körperlicher Gewalt in kirchlichen Knaben-Internaten
Bistum Würzburg ließ Schulakten untersuchen
In den Knaben-Internaten des Bistums Würzburg gab es offenbar keine weiteren sexuellen Übergriffe gegen Schüler - außer den zwei bereits bekannten Fällen. Allerdings waren die Kinder und Jugendlichen in mehreren Fällen Opfer körperlicher Gewalt.

Eine Untersuchung der Archivbestände der drei katholischen Knaben-Internate des Bistums Würzburg hat keine Hinweise auf weitere Fälle sexuellen Missbrauchs ergeben - wohl aber etliche Fälle körperlicher Gewalt. Die Würzburger Rechtsanwaltskanzlei Cornea Franz ermittelte aus den Akten der drei Kilianeen in Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen 67 Anzeichen von körperlicher Gewalt gegen Schüler, wie Rechtsanwalt Christian Stadler am Dienstag in Würzburg sagte. 46 der Hinweise deuteten auf "regelmäßige Gewaltanwendung" hin. Die Kilianeen waren in Würzburg von 1872 bis 1998, in Miltenberg von 1927 bis 1983 und in Bad Königshofen von 1964 bis 1994 in Betrieb.

Generalvikar Thomas Keßler sagte, dass in den nun vorgelegten Ergebnissen zwei Fälle sexuellen Missbrauchs in den Kilianeen "nicht erfasst sind". Beide Fälle fänden sich nicht in den Akten und seien von den Betroffenen "erst in den vergangenen Jahren" mitgeteilt worden. Beide Fälle seien den Strafverfolgungsbehörden gemeldet worden. Diese hätten die Verfahren bereits eingestellt. Gegen die Beschuldigten sei auch kirchenrechtlich vorgegangen worden. Die Betroffenen hätten zudem finanzielle Leistungen auf Anerkennung des Leids erhalten. Die Gewaltvorwürfe gegen einen früheren Direktor habe man bereits 2010 öffentlich gemacht und damals aufgearbeitet, sagte Keßler.

Keßler sagte weiter, die Eltern hätten ihre Kinder "der Erziehung durch Priester" anvertraut. Die Familien stammten meist aus ländlichen Regionen und sollten in den drei Kilianeen eine zweite Heimat finden. Bei vielen Eltern spielte der Gedanke eine Rolle, ihren Kindern "eine Bildung zu ermöglichen", die zu Hause nicht möglich gewesen wäre. Die Kilianeen waren Gymnasien, Kinder kamen dort im Alter ab etwa zehn Jahren hin. "Aus dem Geist des Evangeliums hätte ein Priester oder kirchlicher Mitarbeiter auch schon damals eine solche Züchtigung als erzieherische Maßnahme nicht durchführen dürfen", sagte er. "Dieses Vorgehen war falsch und tut uns als Kirche sehr leid." Keßler bat die Betroffenen um Vergebung.

Die Anwälte hatten die Schulakten in sechs Monaten gesichtet. Dabei habe es sich nicht um eine "buchhalterische Dokumentation" gehandelt, vielmehr habe man auch aus Nikolausgedichten oder Jahresberichten Hinweise herauslesen müssen. Nur in seltenen Fällen habe es schriftlich dokumentierte Übergriffe gegeben - beispielsweise wenn es Schreiben an die Eltern der Betroffenen gegeben habe. Bei den Übergriffen habe es sich etwa um Ohrfeigen oder auch Stockhiebe gehandelt. Die Ergebnisse der Untersuchungen seien an die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg weitergeleitet worden - Ermittlungen der Behörden wird es allerdings auch aus Verjährungsgründen nicht geben.

Im Mai 2019 hatte das Bistum Würzburg bereits eine Auswertung von knapp 3.000 Personalakten vorgestellt. Die Juristen hatten damals in 94 Akten Auffälligkeiten mit und ohne sexuellem Bezug entdeckt. In 35 Fällen habe es in der Vergangenheit bereits strafrechtliche Verfolgung gegeben, sagte Rechtsanwalt Hans-Jochen Schrepfer. Von den übrigen 59 gesichteten Akten seien 13 an die Bamberger Generalstaatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

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