Württemberg: Womit die Gesprächskreise bei der Synodalwahl punkten wollen

Frau wirft Stimmzettel in Wahlurne

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Bei der Wahl zur württembergischen Landessynode kämpfen vier Gesprächskreise um Stimmen für ihre Kandidaten.

Württemberg: Womit die Gesprächskreise bei der Synodalwahl punkten wollen
In Württemberg wird die Landessynode direkt gewählt - ein Unikum in Deutschland
Bei der Wahl zur württembergischen Landessynode kämpfen vier Gesprächskreise um Stimmen für ihre Kandidaten. Ihre Wahlprogramme zeigen viel Übereinstimmung, teilweise markante Unterschiede - und einige originelle Ideen.
06.11.2019
Marcus Mockler
epd

Es geht um die Kirche der Zukunft und um die Zukunft der Kirche: Vor den Wahlen zur Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg am 1. Dezember werben vier Gesprächskreise für ihre Kandidaten, die in den nächsten sechs Jahren im Kirchenparlament sitzen sollen. Dort wird über die Verwendung der Kirchensteuern, kirchliche Gesetze und spätestens in drei Jahren über einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Landesbischof Frank Otfried July entschieden. Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt: In vielen Fragen ist man sich einig, in einzelnen Punkten setzen die Gesprächskreise aber auch gegensätzliche Akzente.

Traditionelles Familienbild

Einig sind sich die Gesprächskreise darin, dass Ehrenamtliche gestärkt und neue Formen von Gottesdienst und Gemeindeleben erprobt werden sollen. Auch im Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung und gegen Fremdenfeindlichkeit sprechen die Gruppen nahezu mit einer Stimme. Ähnlich sieht es bei der Betonung evangelischer Bildungsarbeit aus, etwa in Kindergärten oder im Religionsunterricht.

Die theologisch konservative "Lebendige Gemeinde", derzeit stärkste Gruppe in der Synode, macht weiterhin ihren Namen zum Programm. Sie wirbt für starke Ortsgemeinden, wobei durchaus mit neuen, moderneren Gemeindekonzepten experimentiert werden soll. Außerdem sollen in allen Kirchenbezirken Zentren für Mission eingerichtet werden, um die Verbreitung der christlichen Botschaft regional zu fördern. Einen weiteren Schwerpunkt setzt die "Lebendige Gemeinde" beim Lebensschutz, der auch Kindern im Mutterleib, Behinderten und Pflegebedürftigen gelten soll. Beim Familienbild bleibt der Gesprächskreis der traditionellen Linie treu. Man sehe "keinen biblischen Auftrag für eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare", heißt es im Programm.

Verfassungsreform, Profil und Innovation

Das sieht die theologisch liberale "Offene Kirche" ganz anders. Sie bekräftigt ihre seit Jahren erhobene Forderung nach einer vollständigen Gleichstellung hetero- und homosexueller Paare, auch durch eine kirchliche Trauung. Außerdem setzt sie sich dafür ein, den interreligiösen Dialog unter anderem durch die Schaffung neuer Stellen voranzubringen. Einen eigenen Abschnitt widmet die "Offene Kirche" der Erneuerung der Kirchenverfassung: Die synodalen Gesprächskreise sollen künftig Verfassungsrang bekommen, der Oberkirchenrat durch die Landessynode kontrolliert werden. Dazu soll es - wie in einem weltlichen Parlament - künftig kleine und große Anfragen sowie die Möglichkeit von Untersuchungsausschüssen geben. Außerdem spricht sich die "Offene Kirche" für die Einrichtung eines kirchlichen Verfassungsgerichts aus.

Der Gesprächskreis "Evangelium und Kirche" warnt in seinem Programm vor einer Überbewertung kirchlicher Aktionen. Glaube sei allein "Gottes Werk", die Kirche solle nicht immer neue Projekte auflegen. "Keine Struktur kann den Erfolg garantieren", betonen die Verantwortlichen. Dabei wünscht sich der Gesprächskreis eine bessere Sprachfähigkeit der Kirche und will entsprechende Publikationen und Podcasts fördern. Kirchliche Kitas müssten ein deutliches Profil haben: "Wo evangelisch draufsteht, muss auch evangelisch drin sein." Außerdem spricht sich der Kreis für mehr seelsorgerliche Angebote aus - gerade auch für Menschen, die wenig Berührung mit der Kirche hätten.

Die Reformbewegung "Kirche für morgen" hat den Slogan "10 Prozent für Innovation" in ihr Wahlprogramm geschrieben. Jede zehnte Pfarrstelle soll sich neuen Gemeindeformen widmen, jede zehnte Diakonenstelle neuen spirituellen Formaten. Außerdem fordert der Gesprächskreis den Aufbau einer kirchlichen Pop-Akademie, um neue Musik mit traditionellen Orgel- und Chorformaten gleichzustellen. Die Macht des Oberkirchenrats möchte "Kirche für morgen" begrenzen und stattdessen eine klarere "Gewaltenteilung" einführen. Des Weiteren sollen kirchliche Initiativen und Fördervereine dadurch unterstützt werden, dass jeder für sie gespendete Euro durch Kirchensteuermittel verdoppelt wird. Pfarrer sollten sich künftig in ihren Gemeinden mehr als "Trainer" verstehen, die Ehrenamtliche befähigen, ihre Gaben zu entdecken und auszuleben.

Die Landeskirche in Württemberg ist die einzige innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in der die Landessynode unmittelbar vom Kirchenvolk gewählt wird. In allen anderen Landeskirchen übernehmen zwischengeschaltete Gremien, etwa Bezirkssynoden, diese Wahl. Am 1. Dezember werden in Württemberg nicht nur die Landessynodalen, sondern auch die örtlichen Kirchengemeinderäte neu bestimmt.

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