Letzte Fahrt in Himmelblau

Himmelblauer Bestattungwagen

© epd-bild/Klaus Landry

Der himmelblau lackierte Bestattungwagen vom Speyerer Bestattungsunternehmen Göck auf dem Friedhof von Speyer. Bei der Anschaffung von Leichenwagen investieren viele Bestatter gutes Geld.

Letzte Fahrt in Himmelblau
Leichenwagen sind oft aufwendige Sonderanfertigungen, denn viele Angehörige wünschen sich etwas Besonderes
Wenn Bestatter Tobias Göck mit seinem Leichenwagen durch Speyer fährt, ist ihm die Aufmerksamkeit der Passanten sicher: Die ausladende Limousine ist himmelblau lackiert. Der Chef der "Trauerhilfe Göck" trägt dazu einen blauen Anzug und ein hellblaues Hemd - er will auf diese Weise etwas Farbe in das Dunkel des Todes bringen, wie er sagt: Blau, offen und freundlich wie der Himmel, statt des tristen Schwarz der Nacht.

Vor sechs Jahren hat sich Tobias Göck von der gängigen Trauerfarbe Schwarz verabschiedet. Eine Ausnahme machte er allerdings vor zwei Jahren, als er "den Kanzler" fuhr, wie er erzählt: Schwarz war der Wagen, der den mit einer Deutschlandfahne bedeckten schwarzen Sarg von Helmut Kohl 2017 zu seiner letzten Ruhestätte im Speyerer Adenauerpark brachte.

Traditionellerweise gelten auch Weiß und Silber als Trauerfarben, aber die meisten Bestatter in Deutschland setzen wohl weiterhin ganz klassisch auf die Trauer in Schwarz. "Mit einem anderen als einem schwarzen Bestattungswagen würde ich niemals fahren", sagt etwa Kai Schwalbe vom Speyerer Bestattungsunternehmen Zerf.

Exklusive Wagen, leise Türen

Würdevoll, dem Totengedenken angemessen, so stellen sich viele Menschen den Transport von Sarg oder Urne zum Friedhof vor. Für die Überführung von Verstorbenen seien viele Kunden gewillt, mehr Geld auszugeben, weiß Schwalbe aus Erfahrung. Darauf stellen sich die Bestatter ein und investieren einiges in den Kauf von Bestattungswagen - den alten, etwas abschreckenden Begriff "Leichenwagen" hören sie nicht so gerne.

Göck und auch das Familienunternehmen Zerf setzen Wagen im Wert von mehr als 100.000 Euro ein, die ein holländischer Spezialanbieter umgebaut hat: Die Autos wurden in der Mitte zersägt und verlängert, die Wände der Innenräume wurden ausgepolstert, die Ladefläche erhielt einen ausfahrbaren Sargschlitten. Und natürlich haben die Türen der teuren Bestattungswagen "soft close": Sie schließen sich leise, keine knallenden Türen stören die Trauergemeinde.

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Damit ein Bestattungswagen die TÜV-Zulassung erhält, muss er gesetzliche Bestimmunen erfüllen, für die es sogar eine eigene DIN-Norm gibt, informiert der Bundesverband Bestattungsbedarf. Dazu gehörten etwa eine stabile Trennwand zur Fahrerkabine und eine Sicherungsvorrichtung, um ein Verrutschen des Sargs zu verhindern.

Mit der Wahl eines luxuriösen Gefährts dokumentierten Kunden auch öffentlich ihre Liebe und Wertschätzung für einen Verstorbenen, so sieht es Bestatter Schwalbe. In Großstädten hingegen sei es gang und gäbe, dass Unternehmer in Lieferwagen mehrere Särge übereinanderstapelten, um sie zum Friedhof zu bringen - er spricht von "Billig-Bestattern". Schuld daran seien Kunden, die zunehmend "billig, billig" einforderten, kritisiert er.

Oldtimer oder Pferdekutsche

Dem Oldtimer-Fan Jona Emanuel von Sydow liegt indes am Herzen, dass man auch mit ausgedienten Leichenwagen ordentlich umgeht: Der 52-jährige Industriekaufmann aus München sammelt und vermietet historische Leichenwagen - etwa für Ausstellungen, Filmsets oder besondere Bestattungen. Gleichzeitig ist er Vorsitzender einer Interessengemeinschaft von Privatbesitzern. Den rund 20 Fans von "Bestattungsoldtimern" gehe es auch darum, "ein bedrohtes Kulturgut zu bewahren", sagt von Sydow. Von abgedrehten Gothic- oder Heavy-Metal-Fans, die eine Leichenkarosse für eine Party mieten oder zu einem Campingwagen umbauen wollten, halte man sich fern. "Wir sind keine Spinner, sondern seriöse Oldtimer-Sammler", betont der Bayer.

Ein ganz besonderes letztes Geleit bieten die Pferdefreunde Helmut und Barbara Hanten aus Speyer an. Auf Anfrage bringen das Ehepaar und ein Bekannter im bespannten schwarzen Leichenwagen, Baujahr 1913, den Sarg oder die Urne von Verstorbenen zur Grabstätte. Eigentümerin der restaurierten Kutsche ist die Ortsgemeinde Dudenhofen bei Speyer.

Für die Beisetzung eines Verstorbenen hätten sich die Menschen vor 100 Jahren viel mehr Zeit genommen, sagt der 71-jährige Landwirtschafts- und Pferdewirtschaftsmeister Helmut Hanten. Die Trauergemeinde ging mit dem Pfarrer zu Fuß hinter dem "Leichen-Bestattungswagen" her zum Friedhof. Nach der Beerdigung wurden die Pferde ausgespannt, die Kutscher tranken ein Gläschen auf den Toten. Stilgerecht mit Zylinder und schwarzem Mantel tritt Helmut Hanten seinen Dienst an, zuletzt hat er das Mitglied einer großen Sinti-Familie gefahren. Keine Frage, wie er eines Tag selbst seinen letzten Weg antreten möchte: "Natürlich in der Kutsche."

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