Wiener Theologe Körtner gegen Moralisierung von Politik

Wiener Theologe Körtner gegen Moralisierung von Politik

Der Wiener Theologe Ulrich Körtner wirbt für mehr Pragmatismus in der Politik. Eine Moralisierung von Politik dagegen "vergiftet nicht nur die Sphäre des Politischen, sondern läuft im Ergebnis auf ihre Zerstörung hinaus", heißt es in einem Gastbeitrag des Ordinarius für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien für die österreichische Wochenzeitung "Die Furche" (Donnerstag). Wenn abweichende politische Positionen zu moralischen Irrtümern und politische Gegner mit dem Makel des moralischen Defektes behaftet werden, "gerät die Politik in ein Freund-Feind-Denken, für das es keine Kompromisse geben kann".

Im Namen der Moral werde dann "zwischen Guten und Bösen unterschieden, werden Menschen vergöttert oder verdammt, unter Umständen nicht nur gesellschaftlich, sondern auch physisch vernichtet", fügte der Sozialethiker hinzu. Das lasse sich gut am Beispiel des Klimaschutzes studieren. Man könne das Ausmaß des Klimawandels und seine von Menschen zu verantwortenden Faktoren durchaus für eine ernstzunehmende Gefahr halten und der Einsatz für konsequente Klimapolitik sei nötig und sinnvoll. Man müsse deswegen aber keine Weltuntergangs-Szenarien bemühen. "Natur mit ihren Evolutions-Gesetzen kennt kein Gut und Böse. Sie ist keine moralische Instanz."

Es sei durchaus zu begrüßen, dass sich auch die Kirchen dem Klimaschutz verschrieben haben, schrieb Körtner: "Der biblische Schöpfungsglaube ist aber nicht mit einem Weltrettungsprogramm zu verwechseln, das allein auf den Schultern der Menschen ruht." In kirchlichen Appellen zur Bewahrung der Schöpfung wirke der biblische Gott "oft nur noch als Motivator für menschlichen Einsatz zum Schutz der Natur", als ein religiöser Zusatz, auf den man notfalls verzichten kann.

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