Experte: Christen in Nordsyrien begrüßen mögliche Rückkehr Assads

Experte: Christen in Nordsyrien begrüßen mögliche Rückkehr Assads

Viele nordsyrische Christen würden laut dem Nahost-Experten Otmar Oehring eine Rückkehr des Assad-Regimes in die Region einer türkischen Sicherheitszone vorziehen. "Die Christen sind in der Mehrheit glücklich darüber, dass das syrische Regime vermutungsweise nach Nordsyrien zurückkommt", sagte der Koordinator für den Internationalen Religionsdialog der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Das sei in Deutschland schwer nachvollziehbar, aber die syrischen Christinnen und Christen hätten "relativ gute Erfahrungen" mit dem Regime gemacht, sagte Oehring. Zumindest so lange sie sich nicht politisch engagierten, habe ihre Kirche existieren können. Allerdings warnte der Nahost-Experte: "Jedes politische Engagement war unter Assad tödlich und wenn das Regime zurückkommt, wird es wieder so sein."

Oehring, der im Juli 2019 eine Studie zur Situation der Christen in Nordsyrien veröffentlicht hatte, schätzt, dass von ursprünglich bis zu 100.000 derzeit noch 30.000 bis 40.000 Christinnen und Christen in Nordsyrien leben. Genaue Zahlen gebe es nicht. Eine von der Türkei kontrollierte Sicherheitszone lehnen die verbliebenen Christen Oehring zufolge ab: "Ihre größte Sorge war zunächst, dass die Türkei in Nordsyrien einmarschieren würde", sagte er. Dabei fürchteten sie vor allem Angriffe von mit der Türkei verbündeten radikalislamischen Rebellengruppen.

Das Verhältnis zwischen der christlichen Bevölkerung und den kurdischen Milizen, die große Teile Nordsyriens seit 2012 kontrollierten, beschrieb der Nahost-Experte als ambivalent. Konflikte habe es gegeben, als die kirchlichen Schulen sich weigerten, die von der kurdischen Verwaltung erlassenen Lehrpläne anzunehmen. "Aber Die Religionsfreiheit stand zu keinem Zeitpunkt infrage", betonte Oehring. Manche christlichen Gruppen hätten die kurdischen Milizen sogar unterstützt oder in der Verwaltung mitgearbeitet.

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