Wissenschaftler: Wirtschaftsmacht zur Rettung des Regenwalds nutzen

Wissenschaftler: Wirtschaftsmacht zur Rettung des Regenwalds nutzen

Angesichts der Brände im Amazonas-Regenwald hat der aktuelle Träger des Alternativen Nobelpreises, Tony Rinaudo, an westliche Konsumenten appelliert, ihr Verhalten zu überdenken. "Die meisten Menschen im Westen verstehen nicht, dass sie die Streichhölzer für die Brände bezahlen," sagte der australische Agrarwissenschaftler am Dienstag in Bonn. "Es ist schön und gut sich über die Brände im Amazonasgebiet aufzuregen. Aber es ist unsere Kaufkraft, die für vieles verantwortlich ist," kritisierte er. Rinaudo erhielt im November den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award) für seine Verdienste für die Wiederaufforstung von Land in Afrika.

Den meisten Konsumenten sei der Zusammenhang zwischen der Herkunft ihrer Lebensmittel und den Brandrodungen im brasilianischen Regenwald nicht bewusst, sagte Rinaudo. "Es wäre relativ einfach, Waldzertifikate von Exporteuren für Fleisch, Kaffee, Zucker oder Soja zu verlangen." Solche Zertifikate könnten garantieren, das landwirtschaftliche Erzeugnisse nachhaltig und fair im Hinblick auf Arbeitsbedingungen und die Rechte der indigenen Bevölkerung angebaut würden.

Rinaudo appellierte an die europäischen Regierungen, ihre Wirtschaftsmacht zu nutzen, um die brasilianische Regierung zum Schutz der Wälder zu verpflichten. Er befürworte wirtschaftliche Konsequenzen, wenn sich die Regierung nicht an Vereinbarungen zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Regenwaldes halte, sagte Rinaudo.

Frankreich, Irland und Luxemburg hatten wegen der Rodungs-Brände im Amazonasgebiet mit einem Veto gegen das Handelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten gedroht. Deutschland und andere EU-Staaten befürchten jedoch, dadurch die Möglichkeit zu verlieren, Einfluss auf die Mercosur-Staaten zu nehmen.

"Die Politik hat großen Einfluss", zeigte sich Rinaudo überzeugt. Wenn die westlichen Staaten darauf bestünden nur nachhaltig erzeugte Produkte zu kaufen, könnten sie viel bewirken. Zudem könne Deutschland durch die gezielte Vergabe von Entwicklungshilfegeldern zur Aufforstung und zum Erhalt von Wäldern beitragen.

Tony Rinaudo hat Mitte der 80er Jahre in Niger eine leicht von Bauern anzuwendende natürliche Regenerierungsmethode entwickelt. Allein in Niger wurden damit 50.000 Quadratkilometer Land mit mehr als 200 Millionen Bäumen aufgeforstet.

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