Missbrauch: Betroffene erwarten gesellschaftliche Unterstützung

Missbrauch: Betroffene erwarten gesellschaftliche Unterstützung

Je stärker die Gesellschaft Betroffene sexuellen Missbrauchs unterstützt, umso besser kann einer Studie zufolge die individuelle Bewältigung gelingen. Nach der Untersuchung, die die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs am Dienstag in Berlin veröffentlichte, erwarten Betroffene neben fachgerechten Therapie- und Hilfsangeboten vor allem soziale Anerkennung und Gerechtigkeit.

Für das dreijährige Projekt am Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen in Freiburg wurden Betroffene mit 420 Online-Fragebögen und in 50 Einzel- sowie sechs Gruppeninterviews befragt, zu mehr als 80 Prozent Frauen. Drei Viertel hatten sexuelle Gewalt in der Familie erlebt, ein Viertel in Institutionen wie den Kirchen oder durch organisierte Täter. Eine Minderheit von elf Prozent gab an, den Missbrauch in der DDR erlitten zu haben.

Den Angaben der Kommission zufolge erklärte eine Mehrheit der Betroffenen, sie erwarte die Anerkennung ihres Leides und einen Nachteilsausgleich für die häufig lebenslangen Folgen. Viele Missbrauchsopfer befinden sich wegen ihrer besonderen Belastungen als Erwachsene in einer ökonomisch schwierigen Situation. Die Menschen erwarten Anerkennung dafür, dass sie viel Kraft aufwenden müssen, um ihren Alltag zu bewältigen. Gleichzeitig wollen sie nicht auf den Opferstatus festgelegt werden. Das gilt auch für die Berichterstattung in den Medien.

Im Einzelnen wollen die Betroffenen mehr Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit Behörden und den Institutionen, in denen der Missbrauch stattgefunden hat. Dazu zählt auch eine ungehinderte Akteneinsicht. Der Aufarbeitungskommission, die Betroffene anhört und die Erforschung der Missbrauchsfolgen vorantreibt, stellen sie ein gutes Zeugnis aus, auch wenn sie nicht alle Erwartungen erfüllen könne. Den Angaben zufolge hatte die Mehrheit der Befragten (84 Prozent) über die erlebte Gewalt bereits gesprochen. Für die Minderheit war die Befragung der Anlass, dies erstmals zu tun.

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