Menschenrechtler kritisieren Internetsperre in Rohingya-Camps

Menschenrechtler kritisieren Internetsperre in Rohingya-Camps

Menschenrechtler haben die Internet- und Mobilfunksperre in den Rohingya-Flüchtlingslagern in Bangladesch scharf kritisiert. Die Restriktionen behinderten die humanitäre Hilfe, gefährdeten Leben und müssten unverzüglich aufgehoben werden, erklärte die Organisation Human Rights Watch am Samstag. Davon betroffen sind Hunderttausende Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit, die vor Gewalt im Nachbarland Myanmar geflohen sind.

Anfang September hatte Bangladeschs Behörde für Telekommunikation die Netzbetreiber angewiesen, schnelle Internetzugänge in den Camps im Distrikt Cox's Bazar zwischen 17.00 Uhr und sechs Uhr morgens zu kappen. Eine Woche später hieß es, diese würden gänzlich abgeschaltet. Demnach sind nur noch begrenztes Telefonieren und das Versenden von Textnachrichten möglich. Zudem sollen an die Flüchtlinge keine SIM-Karten für Handys mehr verkauft werden. Die Behörde begründete den Beschluss offiziell mit Sicherheitsbedenken. 

Laut Human Rights Watch behindert die Sperre die Arbeit von Hilfsorganisationen, insbesondere in Notfallsituationen zur jetzigen Monsunzeit. "Die Einschränkung der Kommunikation in den Flüchtlingslagern wird die ohnehin desolaten Bedingungen verschlechtern und Leben gefährden", kritisierte der Asienchef der Menschenrechtsorganisation, Brad Adams.  

Nachdem Myanmars Armee Ende August 2017 eine neue brutale Offensive gegen die Rohingya begonnen hatte, flohen mehr als 740.000 Angehörige der muslimischen Volksgruppe nach Bangladesch, wo sie in überfüllten Camps ausharren. UN-Ermittler werfen dem Militär in Myanmar Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.  

Im August hatte Bangladeschs Außenminister A.K. Abdul Momen erklärt, man wolle es den Rohingya "weniger behaglich" in den Camps machen, um sie zu einer Rückkehr nach Myanmar zu bewegen. Kurz zuvor war ein zweiter Versuch zu einer Rückführung der Rohingya gescheitert.

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