Kinderärzte: Mobbing häufiger Grund fürs Schuleschwänzen

Kinderärzte: Mobbing häufiger Grund fürs Schuleschwänzen
Deutschland spricht 2019

Düsseldorf (epd). Kinder- und Jugendärzte sehen Mobbing als einen zentralen Grund fürs Schulschwänzen. "Wir erfahren bei unseren Vorsorgeuntersuchungen vor allem, wie sehr manche Kinder und Jugendliche von ihren Mitschülern gemobbt werden", erklärte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte am Montag in Düsseldorf. Oft erzählten die jungen Betroffenen bei den Medizinern zum ersten Mal von ihrem Leid. Viele wagten es nicht, sich ihren Eltern und Lehrern anzuvertrauen.

"Mobbing ist nach unserer Erfahrung ein wichtiger Grund, die Schule zu meiden", erklärte der Berufsverband. Dabei spielten soziale Netzwerke mit Verleumdungen und kompromittierenden Fotos eine wichtige Rolle. Auch häusliche Probleme wie etwa eine Trennung oder Dauerstreit der Eltern sowie mangelndes Interesse für den Schulalltag fielen ins Gewicht, erklärte Pressesprecher Josef Kahl. Hier müsse dringend gegengesteuert werden, am besten bevor Mädchen und Jungen einzelne Schulstunden, später ganze Tage und Wochen schwänzten oder gar irgendwann die Schule abbrächen.

Der Verband der Fachärzte appelliert an Eltern, Kindern zu Hause einen ruhigen Arbeitsplatz einzurichten und einen gut strukturierten Tagesablauf zu bieten. Eltern sollten sich für den Schulalltag ihrer Kinder interessieren, Gesprächsangebote mit Schule und Lehrern wahrnehmen und eine gesunde Anstrengungsbereitschaft fördern, ohne ihre Kinder zu überfordern, rieten die Mediziner. Kopfschmerzen und Schlafstörungen könnten Alarmzeichen für mögliche Probleme mit Mitschülern sein, ebenso nachlassende Noten und im schlimmsten Fall Schulvermeidung.

Gespräche mit dem Kind, Lehrern oder Schulsozialarbeitern oder mit den Profis in einer Erziehungsberatungsstelle könnten helfen, erklärten die Ärzte. "Dramatisieren Sie die Situation nicht, ermutigen Sie Ihr Kind nicht 'zurückzuschlagen', machen Sie ihm aber klar, dass Sie auf seiner Seite stehen und ihm beistehen, selbstständig aus seiner Opferrolle rauszufinden."