Bischof Dröge warnt vor Geschichtsverfälschung

Kundgebung fuer ein weltoffenes und tolerantes Berlin

epd / Christian Ditsch

Bischof Dröge warnt vor Geschichtsverfälschung
Deutschland spricht 2019

Berlin (epd). Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge hat vor einer Umdeutung der deutschen Geschichte durch Rechtspopulisten gewarnt. "Wer nicht verantwortlich mit der Vergangenheit umgeht, der kann auch nicht verantwortungsvoll die Zukunft gestalten", sagte Dröge am Samstag auf einer Kundgebung des Bündnisses für ein weltoffenes und tolerantes Berlin.

Als Beispiele für eine "Verdrehung der historischen Wahrheit um 180 Grad" verwies Dröge unter anderem auf wiederholte Störungen durch Besuchergruppen in Gedenkstätten für NS-Opfer, eingeladen von AfD-Funktionären, und die Instrumentalisierung der friedlichen Revolution in der DDR, indem Rechtspopulisten sich heute mit den Bürgerrechtlern von damals verglichen.

Anlass der Kundgebung in Berlin war der Todestag des Kriegsverbrechers und ehemaligen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, der sich am 17. August 1987 im Gefängnis Berlin-Spandau das Leben nahm. Das Datum wird traditionell von Neonazis genutzt, um unter anderem in Berlin Kundgebungen abzuhalten. Für Samstag war laut Polizei zunächst keine Heß-Gedenkveranstaltung angemeldet worden.

Dröge betonte, die christlichen Kirchen würden für eine Erinnerungskultur eintreten, die sich den historischen Tatsachen stelle. Dabei verwies er auf eine gemeinsame Charta der europäischen Christen aus dem Jahr 2001 (Charta Oecumenica), in der sich die Kirchen verpflichteten, aus der eigenen Schuldgeschichte zu lernen. "Deshalb widersprechen wir scharf, wenn rechtspopulistische Funktionäre eine 'erinnerungspolitische Wende um 180 Grad' fordern", sagte Dröge. Die Kundgebung auf dem Alexanderplatz stand unter dem Motto "Verantwortung für die Vergangenheit übernehmen - für Gegenwart und Zukunft".

Dröge verurteilte das traditionelle Heß-Gedenken durch Neonazis. Auch damit werde seit Jahren versucht, die erinnerungspolitische Wende um 180 Grad durchzusetzen: "Ein Kriegsverbrecher soll zum Helden stilisiert werden", sagte er. "Die historische Wahrheit soll verdreht werden, um die Nazi-Ideologie neu verbreiten zu können."

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