Kein Respekt mehr vor Gräbern und Altären

Ein bronzenes Kreuz steht zwischen sechs Kerzen auf einem Altar.

© Stefan Bergmann/Stiftskirche Kaiserslautern/dpa

Ein Altarkreuz steht zwischen Kerzen in der Stiftskirche dem Altar. Das 52 Zentimeter große Kreuz aus Bronze wurde gestohlen.

Deutschland spricht 2019
Kein Respekt mehr vor Gräbern und Altären
Diebe haben längst Kirchen und Friedhöfe in den Blick genommen
"Eine Schande", "Unglaublich, respektlos und verachtend" oder "So was hab' ich auch noch nicht gehört". Der Diebstahl des ehemaligen Altarkreuzes der Kaiserslauterer protestantischen Stiftskirche vor wenigen Wochen hat die Menschen aufgewühlt, nicht nur in den sozialen Netzwerken. Fakt ist aber: Längst machen Diebe um religiöse Einrichtungen keinen Bogen mehr. 2017 wurden diese Tatorte erstmals gesondert in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik eingeführt, sagt Michael Hummel vom Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern.

Dieses zählte 2018 in seinem Zuständigkeitsbereich sieben Fälle von schwerem Diebstahl in Gotteshäusern. 2017 waren es zwölf. Dazu kamen in beiden Jahren zusammen mehr als 30 Fälle von Diebstahl auf Friedhöfen. Für den selben Zeitraum kommt das Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen bei einer Zählung der Diebstahldelikte auf Friedhöfen auf 111 Fälle, plus 14 Sachbeschädigungen.

Allein auf dem Friedhof in Ludwigshafen-Mundenheim wurden im vergangenen Dezember ganze 100 Gräber beschädigt. Den Wert des Diebesguts beziffert die Polizei auf insgesamt rund 15.000 Euro. Vor allem auf Grabschmuck aus Metall haben es die Täter abgesehen. Zum Teil werden sogar Lettern von Grabsteinen geflext, diese dabei beschädigt. Für die Angehörigen ist das nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden. "Das ist schon eine gehörige Missachtung, man hatte ja lange gedacht, man hat da mehr Achtung und Respekt", macht die Ludwigshafener Dekanin Barbara Kohlstruck ihrem Ärger Luft.

Wasserhähne abmontiert

Friedhofsdiebstähle hätten deutlich zugenommen, bestätigt auch Michael Sattel, der Leiter des protestantischen Verwaltungsamts in Kaiserslautern. Selbst Wasserhähne und die Dachrinne der Trauerhalle seien auf dem Friedhof schon abmontiert worden, erzählt er. Dabei handele es sich wohl auf Metall spezialisierte Banden, vermutet Sattel. Auch in das Verwaltungsgebäude des Dekanats waren Ende Mai unbekannte Täter eingebrochen, es gab erheblichen Sachschaden.

Rund 5.000 Euro versucht das Dekanat über die Ecclesia Versicherung zurückzubekommen. Über diese sind in der pfälzischen Landeskirche Einbruchdiebstähle in Pfarrhäusern, Kirchen oder kirchlichen Verwaltungsgebäuden versichert. Wie häufig Kirchengemeinden betroffen sind, verrät die Versicherung "aus datenschutzrechtlichen Gründen" nicht.

Im Kaiserslauterer Stadtteil Dansenberg erbeuteten Täter jüngst einen Silberkelch. Immer wieder betroffen sind Kindergärten. Auch in Pfarrhäuser wird eingestiegen, berichtet die Pirmasenser Dekanin Waltraud Zimmermann-Geisert. In einem Fall sei aus ihrem Amtszimmer Geld entwendet worden. "Der Täter wusste offenbar genau, wo das Geld lag", sagt die Dekanin.

Pfarrerin Anke Reinheimer lag gar in ihrem Bett, als drei Maskierte ihr Schlafzimmer im Pfarrhaus Nünschweiler im Landkreis Südwestpfalz durchwühlten. "Eine skurrile, aber letztendlich harmlos verlaufene nächtliche Erfahrung", sagt sie. Nur der Papierkram mit den Versicherungen habe sich hingezogen.

Viel Solidarität

Auch aus diesem Grund denkt Michael Sattel für Kaiserslautern nun über ein Sicherheitssystem nach, mit Bewegungsmeldern und Alarm. In der Stiftskirche hat der Kreuzklau unterdessen zu einer Welle ungeahnter Solidarität geführt. Der zehnjährige Julian Voss hat ein Kreuz für die Kirche selbst gebaut. Und zahlreiche Menschen haben den Citykirchenpfarrer Stefan Bergmann angesprochen: Sie würden gerne ein Kreuz spenden.

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