Neuer Ärztepräsident für Widerspruchslösung bei Organspenden

Neuer Ärztepräsident für Widerspruchslösung bei Organspenden

Mit Blick auf die aktuelle Debatte im Bundestag hat sich der neue Ärztepräsident Klaus Reinhardt klar für eine Widerspruchslösung bei Organspenden ausgesprochen. "Wir als Ärzteschaft stehen definitiv zur Widerspruchslösung", sagte Reinhardt der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Auch bei dieser Lösung werde niemand gegen seinen Willen zum Organspender. "Die Widerspruchslösung wäre der einzig wirksame Weg, die Spenderzahl in Deutschland bedeutend zu erhöhen."

Bei der Widerspruchslösung gelten alle Menschen automatisch als Organspender, sofern sie zu Lebzeiten oder ihre Angehörigen nach dem Tod nicht widersprechen. Den Einwand, dies sei ein unzulässiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, wies Reinhardt zurück. "Es ist zumutbar, eine Entscheidung zu verlangen oder, wenn jemand gestorben ist, Angehörige vor diese Frage zu stellen", betonte er. Jeder bekomme die Chance, Nein zu sagen.

Der Bundestag hatte am Mittwoch in erster Lesung über verschiedene Reformvorschläge debattiert. Die Entscheidung soll im Herbst fallen. Der Präsident der Bundesärztekammer stellte sich hinter den Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. "Wir haben in Deutschland im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern eine besonders niedrige Spenderrate und wir müssen Organe aus dem Ausland beziehen", sagte Reinhardt der Zeitung. "Das muss sich ganz dringend ändern, denn rund 10.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Organ."

Als Alternative zu Spahns Modell macht sich eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock für eine Entscheidungslösung stark. Danach soll die jetzige Organspenderegelung, wonach der Spendewille etwa in einem Ausweis dokumentiert wird, im Grundsatz erhalten bleiben. Sie soll durch ein Online-Register ergänzt werden, in das jeder Bürger seinen Willen selbst eintragen kann.

Reinhardt kritisierte dieses Modell. Aufklärung und Gespräche mit Ärzten oder auf Bürgerämtern genügten nicht. Die Krankenkassen hätten alle ihre Mitglieder angeschrieben. "Aber diese Aktivitäten versanden meist, weil die Menschen das Thema ausblenden", sagte Reinhardt. Der Bielefelder Allgemeinmediziner hatte sich bei der Wahl zum neuen Ärztepräsidenten Ende Mai in Münster knapp gegen die Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer, Martina Wenker, durchgesetzt.

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