Studie: Viele "atypische Arbeitsverhältnisse" in Deutschland

Studie: Viele "atypische Arbeitsverhältnisse" in Deutschland

Die Zahl sogenannter atypischer Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland verharrt laut einer Studie auf hohem Niveau. Besonders oft müssten Frauen in Westdeutschland Minijobs, Teilzeitjobs, befristete Stellen oder Leiharbeit annehmen, heißt es in der am Montag in Düsseldorf veröffentlichten Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. Häufig seien auch jüngere Beschäftigte, geringer Qualifizierte und Beschäftigte ohne deutschen Pass in diesen Arbeitsverhältnissen.

Der Studie zufolge unterscheiden sich die Anteile an den Arbeitsverhältnissen insgesamt in Ost- und Westdeutschland erheblich - und sie haben sich in den vergangenen Jahren weiter auseinanderentwickelt: In den ostdeutschen Bundesländern liegt der Anteil der atypischen Beschäftigungsverhältnisse nach den aktuellen Zahlen überall unter 18 Prozent. Im Westen reicht er von knapp 18 Prozent in Hamburg bis 23 Prozent und mehr in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Bremen, wie die Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.

Die atypische Beschäftigung ist ein in der Arbeitsmarktforschung etablierter Begriff. Er definiert sich in Abgrenzung zum Normalarbeitsverhältnis, welches die Nachkriegszeit bis in die 1980er dominiert hat. Eine Aussage über Sicherheit oder prekäre Situation ist damit nicht per se getroffen, Auswirkungen auf Absicherung oder Rentenhöhe werden den atypischen Beschäftigungsverhältnissen aber allen zugeschrieben.

Teilzeit, Befristung und Leiharbeit seien von Anfang der 1990er Jahre bis zur Finanzkrise 2007/2008 auf dem Vormarsch gewesen, erläutern die Studienautoren Eric Seils und Helge Baumann. Seit 2010 ist nach ihren Erkenntnissen der Anteil der atypischen Arbeitsverhältnisse an der sogenannten Kernerwerbstätigkeit - darin sind etwa Auszubildende, Schüler, Studierende oder jobbende Rentner nicht enthalten - hingegen wieder ein wenig gesunken. Er verharrte zuletzt bei rund 21 Prozent im Jahr 2017 - dem aktuellsten Jahr, für das derzeit Daten vorliegen. 1991 waren es erst knapp 13 Prozent, auf dem Höhepunkt 2007 waren es 22,6 Prozent, wie aus der WSI-Analyse hervorgeht.

Dass die atypische Beschäftigung in den letzten Jahren insgesamt leicht zurückgegangen ist, führen die Wissenschaftler auf die vergleichsweise gute Konjunktur zurück, die wieder vermehrt Normalarbeitsverhältnisse entstehen ließ. Zudem gingen Frauen in jüngster Zeit etwas seltener Teilzeitbeschäftigungen mit sehr geringer Stundenzahl nach.

Dennoch betonen Seils und Baumann, dass das aktuelle Niveau der atypischen Beschäftigung weiterhin hoch sei. Daher raten sie, "den Trend zu längeren Arbeitszeiten teilzeitbeschäftigter Frauen durch politische Maßnahmen zu flankieren". Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung sei ein Baustein dazu.

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