Unternehmen sind auf Trauernde am Arbeitsplatz oft nicht vorbereitet

Todesfall auf der Arbeit

© Getty Images/iStockphoto/artursfoto

Wenn der Arbeitsplatz des Kollegen plötzlich leer bleibt, breiten sich nach einem plötzlichen Todesfall oft Sprachlosigkeit und Unsicherheiten aus.

Unternehmen sind auf Trauernde am Arbeitsplatz oft nicht vorbereitet
Tod und Trauer sind in der Gesellschaft oft noch immer ein Tabu. Das gilt in besonderer Weise für Firmen, die sich selten aktiv auf den Ernstfall vorbereiten. Experten können helfen, wenn Sprachlosigkeit und Unsicherheiten groß sind.

Im Büro war ihm auf einmal nicht gut. Doch dass die Sache so dramatisch enden würde, damit hatte niemand gerechnet. Bis Stunden später die Polizei im Betrieb anrief und nach Angehörigen fragte. Der von allen geschätzte Mitarbeiter, lebensfroh und engagiert, war an plötzlichem Herzversagen gestorben. "Das Team war komplett geschockt", erinnert sich die Bremer Trauerberaterin Tanja M. Brinkmann (46), die dem Kollegium eine Zeit lang zur Seite stand: "Sie brauchten einfach einen Raum, um darüber zu sprechen."

Die Bremer Trauerberaterin Tanja M. Brinkmann steht Unternehmen und Kollegien zur Seite, wenn es um Fragen zur Trauer am Arbeitsplatz geht.

Etwas mehr als 932.000 Sterbefälle verzeichnete das Statistische Bundesamt für das Jahr 2017. "Das bedeutet gut zwei Millionen Menschen im Nahbereich, die als Trauernde betroffen sind und an einen Arbeitsplatz zurückkehren", schätzt Brinkmann. Von den gestorbenen Menschen seien mindestens 140.000 zwischen 20 und 65 Jahre alt gewesen. "Also meist Erwerbstätige, die in einem Unternehmen beschäftigt waren."

Noch einmal in besonderer Weise sind die Firmen betroffen, in denen es tödliche Arbeitsunfälle gibt. 2017 kamen nach Angaben der Gesetzlichen Unfallversicherung bundesweit 451 Menschen bei solchen Unfällen ums Leben. "Aber nur ganz wenige Unternehmen setzen sich vor dem Ernstfall aktiv mit dem Thema auseinander", hat Brinkmann erfahren, die auf der Bremer Kongressmesse "Leben und Tod" als Trauerberaterin referiert.

"Unternehmen und Teams sind manchmal sehr gefordert, wenn sie den Tod einer Kollegin oder eines Kollegen verkraften müssen", weiß Brinkmann. "Einerseits haben wir unsere berufliche Rolle und vielerorts die Vorstellung, dass Trauer etwas eher Privates ist. Andererseits ist die Arbeit der Ort, an dem wir viel Lebenszeit verbringen und auch Bindungen eingehen."

Oft berät die Sozialwissenschaftlerin und gelernte Krankenschwester deshalb Firmen, die nicht genau wissen, wie sie mit einem trauernden Angehörigen oder einem trauernden Team umgehen sollen, wenn Sprachlosigkeit und Unsicherheiten im Raum stehen. Den Betroffenen in Ruhe lassen? Ansprechen?

"Trauer ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Denn sie hilft, den Verlust in das Leben zu integrieren"

"Für Trauernde ist es viel verletzender, nicht gesehen zu werden", sagt Brinkmann, betont aber auch, dass Trauer ein individueller Prozess ist, niemals Routine. Schon gar nicht am Arbeitsplatz, wo auch eine Reihe praktischer Dinge geklärt werden müssen wie die Fragen, wer den Schreibtisch ausräumt, wer Geschäftspartner informiert oder wer mit zur Beerdigung geht.

Bildergalerie

Tröstliche Worte aus der Bibel

Trauer

Foto: laubatt/Photocase

Trauer

Foto: laubatt/Photocase

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Offenbarung21,4">Offenbarung 21,4</a>)

Unsicherheit

Foto: golffoto/Photocase

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Psalm68,20">Psalm 68,20</a>)

Liebeskummer

Foto: suschaa/Photocase

Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Psalm34,19">Psalm 34,19</a>)

Angst

Foto: birdys/photocase.com

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Johannes16,33">Johannes 16,33</a>)

Traurigkeit

Foto: en.joy.it/Photocase

Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Johannes16,22">Johannes 16,22</a>)

Sorgen

Foto: Fiebke/photocase.com

Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/1.Petrus5,7">1. Petrus 5,7</a>)

Verzweiflung

Foto: micharoth/Photocase

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Psalm130,1-2">Psalm 130, 1-2</a>)

Krankheit

Foto: willma.../Photocase

Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort. Meine Augen sehnen sich nach deinem Wort und sagen: Wann tröstest du mich? (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Psalm119,81-82">Psalm 119,81-82</a>)

Sterben

Foto: Alpenfux/Photocase

Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/Hiob1,21">Hiob 1,21</a>)

Tod

Foto: willma.../Photocase

Das Sichtbare vergeht, doch das Unsichtbare bleibt ewig. (<a href="https://www.bibleserver.com/text/LUT/2.Korinther4,18">2. Korinther 4,18</a>)

Es gebe Kollegen, die wollten nicht darüber reden, auch das sei zu respektieren. "Sterben und Tod zu erleben, das kann uns an persönliche Grenzen führen, emotional und sprachlich", berichtet Brinkmann und führt mit Blick auf das Gespräch mit Trauernden aus: "Reden ist Bronze, Fragen ist Silber, Zuhören ist Gold und Schweigen, miteinander aushalten, ein Taschentuch reichen, das ist Platin."

Fragen, was der Trauernde brauche, darauf komme es an, verdeutlicht die Beraterin und sieht in diesem Zusammenhang vor allem Führungskräfte gefordert. Ganz allgemein sei klar: "Trauer ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Denn sie hilft, den Verlust in das Leben zu integrieren."

Aus ihrer Beratungspraxis berichtet die Expertin von kleinen Gesten, die hilfreich sein können: Den Trauernden mit einer Blume und den Worten "schön, dass Du wieder da bist" am Arbeitsplatz empfangen, einen Kaffee an den Schreibtisch bringen, eine Kurznachricht schreiben, fragen, ob man gemeinsam zum Mittag in die Kantine gehen will. Allemal besser, als den Trauernden zu meiden, sei es, mit der eigenen Sprachlosigkeit offen umzugehen und zu sagen: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, aber es tut mir so leid für dich."

Das richtige Maß von Nähe und Distanz zu finden, das sei manchmal gar nicht so leicht, räumt Brinkmann ein: "Nicht in Watte packen, das ist wichtig. Aber auch nicht überfordern, beispielsweise mit gut gemeinten Ratschlägen."

Das Team, das den so plötzlich verstorbenen Kollegen betrauerte, hat aus der Schockstarre herausgefunden, blickt Brinkmann zurück: "In der Firma gab es das Lieblingsessen des Verstorbenen, zusammen mit der Schwester wurde eine Trauerfeier gestaltet, im Konferenzraum steht ein Erinnerungsbuch, das sich jeder jederzeit anschauen kann. Das war ein würdiger Abschied."