Berliner Kirchengemeinde legt Namen von Antisemiten ab

Evangelische Ernst Moritz Arndt Kirchengemeinde

© Bodo Kubrak/CC0/wikimedia

Die Namensgebung sei seinerzeit ein Votum gegen die Ablehnung des Christentums durch die Nationalsozialisten gewesen (wikipedia).

Berliner Kirchengemeinde legt Namen von Antisemiten ab
Die Suche nach einem neuen Namen soll laut dem Beschluss "unter größtmöglicher Beteiligung der Gemeinde stattfinden".
Deutschland spricht 2019

Die Evangelische Ernst Moritz Arndt Kirchengemeinde in Berlin hat ihre Umbenennung beschlossen. Die Gemeinde im Südwesten der Bundeshauptstadt wird künftig nicht mehr nach dem Greifswalder Schriftsteller und Historiker Ernst Moritz Arndt (1769-1860) heißen. Das beschloss der Gemeindekirchenrat am Montagabend mit sechs zu vier Stimmen, wie die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) am Dienstag in Berlin mitteilte. Ausschlaggebend war laut Landeskirche die Tatsache, "dass Arndt bei allen sonstigen Verdiensten wegen seiner militant-nationalistischen und judenfeindlichen Äußerungen als Vorbild und Namenspatron einer christlichen Gemeinde ungeeignet ist".

Der Beschluss zur Umbenennung der Kirchengemeinde betrifft den Angaben zufolge auch die zugehörige Kirche. Der Berliner Landesbischof Markus Dröge begrüßte die Entscheidung, "die die Gemeinde nach einem intensiven und ernsthaften Prozess der Auseinandersetzung mit der Geschichte und Tradition ihrer Namensgebung nun getroffen hat". Die Gemeinde habe angesichts der vielschichtigen Fragestellung einen vorbildlich offenen und fairen Diskussionsprozess geführt, Verantwortungsbewusstsein gezeigt und ein gutes Beispiel für eine angemessene kirchliche Entscheidungskultur gegeben, erklärte der Bischof. 

Ernst Moritz Arndt war als Namenspatron zuletzt wieder verstärkt in die Diskussion geraten. Anfang 2017 entschied die Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, seinen Namen abzulegen. Arndt hatte Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die Besatzung Deutschlands durch Napoleon gekämpft. Kritiker verweisen auf das nationalistische Gedankengut und die antisemitischen Tendenzen in den Schriften des Professors.

Für den geplanten Kirchenbau wurde 1930 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich nur evangelische Zehlendorfer Architekten beteiligen durften.

Die Berliner Kirchengemeinde hatte sich den Angaben zufolge 1935 nach Arndt benannt. Dies sei unter dem Druck der Nationalsozialisten geschehen, die das Christentum zu jener Zeit durch ein sogenanntes Neuheidentum hätten ablösen wollen, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf, Johannes Krug, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Vor diesem Hintergrund sei eine Benennung nach Arndt sinnvoll gewesen, da dieser zwar Judenfeind und bei den Nazis beliebt, aber auch überzeugter evangelischer Christ gewesen sei. Heute sei die Benennung einer Kirche und einer Gemeinde nach Arndt indes "kaum noch vermittelbar", erklärte die Landeskirche.

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