Ruhrbischof Overbeck lehnt Grundeinkommen ab

Katholischer Bischof Franz-Josef Overbeck

© epd-bild/Andreas Schoelzel

Der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat sich zum Tag der Arbeit gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgesprochen.

Ruhrbischof Overbeck lehnt Grundeinkommen ab
Der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat sich zum Tag der Arbeit gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgesprochen. "Es gibt auch in der Kirche Stimmen, die ein Grundeinkommen fordern und für bezahlbar halten. Ich halte das für eine Illusion", sagte Overbeck der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ, Mittwoch). Die Idee dahinter, dass jeder Bürger einen auskömmlichen Betrag vom Staat erhält und selbst entscheiden kann, ob er zusätzlich noch arbeiten geht oder nicht, passe nicht zu den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, die er verteidige, erklärte der Sozialbischof der katholischen Kirche.

Statt einem bedingungslosen Grundeinkommen unabhängig vom sozialen Status müsse die Gesellschaft Arbeit so organisieren, dass Leistung entlohnt wird und Menschen auch davon leben können, sagte Overbeck weiter. Arbeit habe einen Wert an sich, weil sie "den Menschen in seiner Würde und Selbstbestimmung stärkt". "Der Staat muss eingreifen, wo es nötig ist, und jenen helfen, die das nicht schaffen", forderte der Vorsitzende der "Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen" der katholischen Deutschen Bischofskonferenz: "Von einem Grundeinkommen für alle distanzieren wir uns als Kirche bewusst."  

Overbeck warnte vor den Folgen der Digitalisierung in der Arbeitswelt insbesondere für die Mittelschicht. "Die Verunsicherungsphänomene nehmen zu", sagte er. Gerade im Mittelstand, "dem Rückgrat unserer Gesellschaft und unseres Wohlstands", änderten sich die geforderten Qualifikationen. Eine liberal organisierte Wirtschaft müsse aber versuchen, neue Tätigkeiten für diese Menschen zu finden, "anstatt den Kopf in den Sand zu stecken". 


Der Ruhrbischof forderte zudem mehr Wertschätzung und Unterstützung für Frauen, die oft nur schwer Beruf und Familie vereinbaren können. "Die Wertigkeit der Lebenszeit, die Frauen für andere einsetzen, ob für Kinder oder zu pflegende Ältere, muss in der Gesellschaft stärker anerkannt werden, etwa auch bei der Bemessung der Rente."