7 Wochen Ohne, Woche 4: "Sich selbst nicht belügen"

Ein Mann steht mit dem Rücken zur Kamera und betrachtet die Landschaft.

© 7 Wochen Ohne/Roman Pawlowski

Manchmal muss man einen klaren Blick auf das eigene Leben und die eigenen Lügen werfen.

Deutschland spricht 2019
7 Wochen Ohne, Woche 4: "Sich selbst nicht belügen"
Das Motto der evangelischen Fastenaktion "7 Wochen Ohne" lautet dieses Jahr: "Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen". In der vierten Woche "Lügenfasten" geht es um den in Selbstlügen verstrickten König David und darum, warum man mit sich selbst ehrlich sein sollte.

Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt's wie eine Tochter. Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war. Und er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat! Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat. Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! (2. Samuel 12,1–7)

Liebe Lügenfasten-Gemeinde,

wir haben die Halbzeit erreicht. Ungefähr die Hälfte der Fastenzeit ist vorüber. Anders als beim Sport werden wir nun aber nicht in die Kabinen verschwinden und uns Erholungspausen gönnen. Wir machen weiter ohne Auszeit. Aber ich will Ihnen gern diese kleine aufmunternde "Kabinenansprache" schicken, die Sie vielleicht mit neuem Elan in die zweite Halbzeit gehen lässt. Allerdings muss ich zugeben, dass auf uns eine Woche wartet, in der es recht heftig zur Sache geht. Das Motto dieser Woche ist "Sich selbst nicht belügen", und das ist sozusagen die Oberliga des Lügenverzichts. Es fällt uns noch schwerer, uns selbst gegenüber ehrlich zu sein als anderen gegenüber. Vielleicht liegt es daran, dass wir bei anderen leichter abschätzen können, welche Konsequenzen eine Lüge haben kann. Wer schon einmal von jemandem bei einer Lüge ertappt wurde, kann sich vermutlich gut daran erinnern, wie die belogene Person reagiert hat. Wer sich an die Scham und den Ärger und den Streit erinnert, kann daraus auch einigermaßen leicht Konsequenzen ziehen und wird diese Person nicht wieder belügen. Das funktioniert nach dem Prinzip "ein gebranntes Kind scheut das Feuer".

Anders ist es, wenn wir uns selbst belügen. Hier können wir die Konsequenzen schlechter abschätzen, und so kann es geschehen, dass wir uns immer tiefer und tiefer in die Lüge verstricken, bis die Folgen katastrophal werden. So ist es bei König David geschehen. Am Anfang steht ein Seitensprung, ein Ehebruch. David sieht eine Frau, die sich wäscht und deren Mann gerade als Soldat im Feld ist. David lässt sie zu sich kommen und schläft mit ihr. Das ist schon an sich eine schlimme Sache, denn wir wissen nicht einmal, ob die Frau mit Namen Batseba dieser Affäre zugestimmt hätte, wenn man sie überhaupt gefragt hätte. Wir können annehmen, dass David sich eingebildet hat, als König könne er eben tun, was er wolle. Er belügt sich selbst, denn im Grunde weiß er, dass er gerade als König eine Menge Verantwortung trägt. Er kann eben nicht alles tun, was er will.

Die Erste, die David aus dieser Selbstlüge aufzuwecken versucht, ist Batseba selbst. Als sie merkt, dass sie schwanger ist, lässt sie das David ausrichten. Was könnte er nun tun? David könnte zu seinem Ehebruch stehen und den Konsequenzen ins Gesicht sehen. Aber stattdessen versucht David, seine Selbstlüge zu beschützen. Er lässt Batsebas Mann nach Hause holen, damit er ihm das Kind unterschieben kann. Aber zum zweiten Mal wird David mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert: Batsebas Mann Uria ist so ein guter Soldat, dass er sich weigert, zu seiner Frau zu gehen. Stattdessen schläft er bei den Soldaten vor dem Palast unter freiem Himmel. Selbst als David ihn betrunken macht, geht er nicht zu seiner Frau. Schließlich nimmt Davids Lüge eine monströse Gestalt an: Der König schickt Uria zurück ins Feld mit einem Brief an seinen Vorgesetzten. In diesem Brief steht, dass man Uria beim nächsten Angriff an die vorderste Front stellen und ihn dort umkommen lassen soll. So geschieht es. Und nach dem Ende der Trauerzeit holt David Batseba als seine Frau in den Palast.

Bis das Kartenhaus aus Lügen zusammenbricht

Hier setzt unser Text ein. Der Prophet Nathan wird von Gott zu David geschickt, um ihn endgültig mit der Wahrheit zu konfrontieren und seinen Lügenturm einzureißen. Nathan geht dabei ausgesprochen geschickt und weise vor. Er erzählt David eine kleine Geschichte und wartet auf seine Reaktion. Die kommt prompt. Davids Sinn für Gerechtigkeit ist anscheinend nicht tot, er funktioniert nur nicht im Blick auf sich selbst. Darum braust er auf und spricht gleich ein Todesurteil über diesen ungerechten reichen Mann, der einem Armen dessen Schaf wegnahm. Da muss ihm Nathan nur noch vier Worte sagen: "Du bist der Mann!" Ehrlich gesagt redet Nathan noch weiter. Er macht David im Namen Gottes die Konsequenzen klar, die nun auf ihn zukommen werden. Aber ich möchte mir vorstellen, dass Nathan nach diesen vier Worten eine Pause machte, damit die Botschaft bei David ankommen konnte.

Selbstlügen tendieren dazu, uns zu betäuben. Eine Selbstlüge versetzt uns in das, worüber wir bei anderen nur lachen können: Sie versetzt uns in eine "alternative Realität". Und in dieser richten wir uns ein und wehren alles ab, was uns mit der Wirklichkeit konfrontieren will. Wir beschützen unsere Lüge. Darum kommt es bei David zur Katastrophe: Weil er zu immer schlimmeren Mitteln greift, um seine Lüge zu schützen, bis es schließlich einen Toten gibt. Der einzige Ausweg wäre gewesen, vorher der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und die Konsequenzen zu tragen.

Darum ist die Aufgabe für diese Woche eine, die Kraft erfordert. Wie Sie sich denken können, wird der Spiegel wieder eine Rolle dabei spielen. (An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Einschub machen und mich bei denen bedanken, die mir bereits ihre Erfahrungen und auch ihre Gedanken zu meinen Fastenmails geschrieben haben. Auf eine Anregung will ich hier direkt eingehen. Jemand schrieb mir, dass heutzutage Jugendliche keine Spiegel mehr benutzen, sondern die Frontkameras ihrer Handys. Das stimmt sicherlich, dennoch möchte ich für diese Fastenwochen einen Glasspiegel empfehlen. Ich habe nämlich festgestellt, dass die Kamera meines Handys mein Gesicht grundsätzlich ein wenig weichzeichnet und glättet. Ich möchte aber, dass wir uns ohne Filter anschauen können. Nun aber zu der Aufgabe für diese Woche.)

Der Wahrheit ins Gesicht sehen

Setzen Sie sich an einem Morgen in dieser Woche vor Ihren Spiegel. Tun Sie das, bevor Sie sich geschminkt oder rasiert haben. Sorgen Sie für ausreichend Licht. Schauen Sie sich an und fragen Sie sich, welche Lüge Sie gerade beschützen. Ist es vielleicht die Lüge, dass Sie niemals krank werden und darum keine Vorsorgeuntersuchung brauchen? Oder ist es die Lüge, dass man Ihnen nichts zutraut und Sie deswegen auch nichts schaffen müssen? Ich kann mir vorstellen, dass Sie gar nicht viel Zeit vor dem Spiegel brauchen, bis Sie Ihre eigene Selbstlüge finden, die Sie gerade beschützen. Wenn aber doch, nehmen Sie sich ruhig die Zeit. Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie sich überhaupt nicht selbst belügen, kann es sein, dass genau das Ihre Selbstlüge ist.

Was auch immer Sie finden: Überlegen Sie sich, was der erste Schritt sein kann, diese Lüge nicht länger zu schützen. Was können Sie tun, damit Sie aus diesem Lügenschlaf aufwachen? Nehmen Sie sich diesen ersten Schritt vor. Formulieren Sie ihn so, dass Sie ihn überprüfen können. Und dann tun Sie es! Wecken Sie sich selbst auf, bevor es jemand anders tun muss.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!

Ihr Frank Muchlinsky