Nikolaus Schneider fordert Einsatz gegen Antisemitismus

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Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider (Archivbild).

Nikolaus Schneider fordert Einsatz gegen Antisemitismus
Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat zur Bekämpfung des Antisemitismus aufgerufen. In Europa und Deutschland sei eine verstärkt auftretende Judenfeindschaft festzustellen, sagte der ehemalige höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag laut Manuskript zur Eröffnung der christlich-jüdischen "Woche der Brüderlichkeit" in Berlin. Dies dürfe nicht hingenommen werden. "Widerspruch und Widerstand sind nötig", betonte der Theologe: "Wie müssen Stellung beziehen in Worten und Taten."

Die Erfahrungen von Jüdinnen und Juden in Deutschland und Europa würden immer bedrückender. Auch der Staat Israel werde von gewaltsamem Antisemitismus bedroht. Im politischen Raum der Bundesrepublik sei "öffentlich ein judenfeindliches Reden möglich" geworden, das vor noch nicht langer Zeit für undenkbar oder nicht sagbar gehalten worden sei. "Es hat sich etwas verschoben in unserem Land", betonte Schneider: "Ein Ungeist will den Bereich der Normalität erobern, Tabugrenzen werden verschoben, Grenzen des Anstands auch."

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Nikolaus Schneider: Stationen seiner Amtszeit
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Dagegen müsse auch öffentlich Partei ergriffen werden. Neutralität sei "eine zerstörerische Option", wenn es um grundlegende Rechte, die Erinnerungskultur im Land, das Leben und die Würde von Menschen und Angriffe gegen Jüdinnen und Juden gehe, betonte der Theologe. Judenfeindschaft sei ein "Anschlag auf die Würde aller Menschen".


Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, betonte, die Art des Zusammenlebens von jüdischen und nicht-jüdischen Bürgern sei der Lackmustest der Demokratie in Deutschland. Neu aufflammende Judenfeindschaft, auch an Schulen, dürfe nicht hingenommen werden, forderte Dröge laut Redemanuskript. "Die Anfänge haben wir bereits zugelassen und haben ihnen nicht ausreichend Widerstand entgegengesetzt", betonte Dröge. Nun müssten klare Handlungsstrategien entwickelt, die Brandstifter beim Namen genannt und "die Lügengebäude der Rechtspopulisten" mit klaren Worten entlarvt werden.

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