"The Sisters Brothers"

The Sisters Brothers

© Magali Bragard

"The Sisters Brothers" ist die Geschichte des mörderischen Brüderpaars Eli (John C. Reilly, rechts) und Charlie Sisters (Joaquin Phoenix).

Deutschland spricht 2019
"The Sisters Brothers"
Die Evangelische Filmjury wählt "The Sisters Brothers" von Jacques Audiard als Fim des Monats
Der Film "The Sisters Brothers" ist kein ganz gewöhnlicher Western. Er hat zwar die klassische Ausstattung eines Westerns: ein Brüderpaar, das zum Töten unterwegs ist, eine Menge schießfreudiger Männer, Saloonszenen, viel Pferd und einen ordentlichen Goldrausch. Aber es gelingt dem französischen Regisseur und Drehbuchautor Jacques Audiard von Anfang an, die Zuschauererwartungen zu unterlaufen.
07.03.2019
Jury der Evangelischen Filmarbeit

So hat man eine Schießerei noch nicht gesehen: In pechschwarzer Nacht blitzen Mündungsfeuer auf, die Zuschauer und Protagonisten gleichermaßen im Dunkeln lassen, wer schießt und wer stirbt. So beginnt die Geschichte des mörderischen Brüderpaars Eli (John C. Reilly) und Charlie Sisters (Joaquin Phoenix). Im Oregon der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellen geheimnisvolle mächtige Männer wie der "Commodore" das Gesetz der Region dar. In seinem Auftrag jagen die beiden Brüder den Ingenieur Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed). Ihr Kontaktmann Jim Morris (Jake Gyllenhaal) macht ihnen dabei das Leben allerdings schwerer, als er sollte.

Wenn sich ein nachdenklicher Eli mit dem versoffenen Charlie streitet, entfalten die beiden witzige Dialoge von hohem Unterhaltungswert. Auf sehr komische Weise steht die Primitivität des Westerners mit den Errungenschaften der Zivilisation in Kontrast. Manchmal wird der Zuschauer unerwartet von Zärtlichkeit angerührt. Schon der Titel spielt mit dem männlichen Stereotyp von Grausamkeit und Härte. Eigentlich ist das Schießen in diesem Western, gerade weil es so reichlich vorkommt, nur Nebensache. Der Film entfaltet eine subtile Kritik an der amerikanischen Waffenverehrung und an der Zerstörung des Ökosystems. Er setzt hinter das Demokratieverständnis der USA ein Fragezeichen, wenn gerade der idealistische Vertreter dieser Idee scheitert. Der Film ist empfehlenswert, nicht nur weil er eine Literaturverfilmung und niveauvolle Unterhaltung ist, sondern auch weil er die Gewalt im Selbstbild der mächtigsten Nation intelligent diskutiert.

"Der Film entfaltet eine subtile Kritik an der amerikanischen Waffenverehrung und an der Zerstörung des Ökosystems. Er setzt hinter das Demokratieverständnis der USA ein Fragezeichen, wenn gerade der idealistische Vertreter dieser Idee scheitert", begründet die Jury die Entscheidung und fährt fort: "Der Film ist empfehlenswert, nicht nur weil er eine Literaturverfilmung und niveauvolle Unterhaltung ist, sondern auch weil er die Gewalt im Selbstbild der mächtigsten Nation intelligent diskutiert."

Der "Film des Monats" der Jury der Evangelischen Filmarbeit ist die einzige durch eine Jury vergebene Auszeichnung für einen aktuellen Kinofilm. Die Jury der Evangelischen Filmarbeit ist ein unabhängiges Gremium. Ihre Mitglieder werden von Einrichtungen der evangelischen Kirche ernannt. Die Jury zeichnet Filme aus, die dem Zusammenleben der Menschen dienen, zur Überprüfung eigener Positionen, zur Wahrnehmung mitmenschli­cher Verantwortung und zur Orientierung an der biblischen Botschaft beitragen. Die Arbeit der Jury wird vom Filmkulturellen Zentrum im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Pub­lizistik (GEP) betreut. Weitere Informationen: http://www.filmdesmonats.de

Filmstart: 7. März 2019