Theologe: Kirche muss intersexuelle Menschen wahrnehmen

Die Lutherbibel hat dazu beigetragen, dass sich eine zweigeschlechtlichte Norm etabliert hat.

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Der Theologe Gerhard Schreiber widersprach der biblisch begründeten Festlegung auf zwei Geschlechter. Auch die Lutherbibel hat dazu beigetragen, dass sich eine zweigeschlechtlichte Norm etabliert hat.

Theologe: Kirche muss intersexuelle Menschen wahrnehmen
Der Theologe Gerhard Schreiber fordert die Kirche auf, sich stärker mit Intersexualität auseinanderzusetzen. "Meiner Ansicht nach sollten Theologie und Kirche erst einmal wahrnehmen, dass es intersexuelle Menschen gibt", sagte Schreiber dem Online-Portal "evangelisch.de" in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview.

Theologie und Kirche sollten seiner Meinung nach intersexuellen Menschen zuhören und in Erfahrung bringen, was ihre Bedürfnisse, ihre Herausforderungen und ihre Probleme sind.

Schreiber, der zu Intersexualität forscht, widersprach der biblisch begründeten Festlegung auf zwei Geschlechter. "Es ist falsch, Menschen, die den alternativen Kategorien 'männlich' oder 'weiblich' nicht entsprechen können oder wollen, als defizitäre Abweichungen von einer Norm oder Regel zu betrachten", sagte Schreiber. Auch die Lutherbibel hat laut Schreiber dazu beigetragen, dass sich eine zweigeschlechtlichte Norm etabliert hat.

Der Theologe von der Technischen Universität Darmstadt wandte sich auch gegen Genitaloperationen an Kindern, die mit keinem eindeutigen Geschlecht auf die Welt kommen. Er habe Verständnis dafür, dass manche Interessenverbände dies mit "Genitalverstümmelungen" gleichsetzten. "Ethisch gesehen muss bei jeder körperlichen Intervention das informierte, selbstbestimmte Subjekt im Mittelpunkt stehen", sagte Schreiber.

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