Studie: Europäer wollen mehr Kontrolle von Algorithmen

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Studie: Europäer wollen mehr Kontrolle von Algorithmen
Drei Viertel (74 Prozent) der Menschen in Europa wollen, dass Algorithmen stärker kontrolliert werden. Sie wünschen sich insbesondere das Recht auf eine zweite Meinung, eine bessere Nachvollziehbarkeit algorithmischer Entscheidungen und eine Kennzeichnungspflicht für computerbasierte Entscheidungsprozesse, wie eine Online-Umfrage der Bertelsmann Stiftung in den 28 EU-Staaten ergab.

Der Studie zufolge begegnen die Europäer Algorithmen mit gemischten Gefühlen. Jeder Zweite weiß nicht, was ein Algorithmus ist. Algorithmen sind geregelte Verfahren zur Lösung von Problemen, die besonders in der Informatik eine große Rolle spielen. Sie werden in fast allen Lebensbereichen eingesetzt und meistens maschinell ausgeführt. Ihr Einsatz in technischen Bereichen wie Rechtschreibprogrammen oder Navigationssystemen trifft der Umfrage zufolge bei den meisten Menschen in Europa auf Zustimmung.

Knapp zwei Drittel (64 Prozent) fühlen sich aber unwohl, wenn Computersysteme ohne menschliche Beteiligung Entscheidungen über sie treffen - etwa bei der Vergabe von Krediten, der Auswahl von Bewerbern oder medizinischen Diagnosen. Hier wolle eine klare Mehrheit, dass Algorithmen allenfalls den Entscheidungsprozess unterstützen oder dass Menschen allein entscheiden, heißt es in der Studie.

Menschen müssen kompetenter werden

Das Wissen über den Einsatz von Algorithmen ist nicht sehr groß: 48 Prozent der Europäer wissen laut Umfrage nicht, worum es dabei geht. In Deutschland trifft dies auf 43 Prozent der Bürger zu. Dennoch überwiegt eine optimistische Grundhaltung: EU-weit sind 46 Prozent der Menschen der Meinung, dass algorithmische Entscheidungsfindung mehr Vorteile mit sich bringt, während 20 Prozent von mehr Problemen ausgehen. Männer sowie Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss sind mit Algorithmen und ihrem Einsatz stärker vertraut und sehen auch eher ihre Vorteile.

Als Folge aus diesen Ergebnissen fordern die Autoren der Studie, mehr Kompetenzen in der Bevölkerung aufzubauen, um eine überlegte Meinungsbildung und eine sachliche Debatte zu ermöglichen. Zudem gelte es, effektive Kontrollmechanismen zu entwickeln und zügig umzusetzen. Leitbild müsse dabei "das gesellschaftlich Sinnvolle und nicht das technisch Machbare sein".

"Die Menschen in Europa wissen zu wenig über Algorithmen, dabei werden sie für ihr alltägliches Leben immer bedeutender", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Er forderte die EU auf, "ein starkes politisches Zeichen für den gemeinwohlförderlichen Einsatz von Algorithmen" zu setzen. Nötig sei eine "gesamteuropäische Diskussion und Strategie zum Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz". Für die "eupinions"-Studie befragte das Unternehmen Dalia Research im September 2018 insgesamt 10.960 EU-Bürger. Die Umfrage sei repräsentativ für die EU und die sechs größten Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien, erklärte die Bertelsmann Stiftung.

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