Blutige Gewalt auf den Südphilippinen

Auf den Philippinen sind während eines Gottesdiensts mindestens 27 Menschen getötet worden.

© Uncredited/Armed Forces of the Philippines/AP/dpa

In einer rö†misch-katholischen Kathedrale in Jolo, der Hauptstadt der Provinz Sulu auf den Südphilippinen explodierte währen des Gottesdienstes eine Bombe und eine weitere auf einem Parkplatz vor dem Gotteshaus. Mindestens 27 Menschen wurden getötet.

Blutige Gewalt auf den Südphilippinen
Tote und Verletzte nach Bombenanschlägen auf Kirche
Der Süden der Philippinen kommt nicht zur Ruhe: Bei Anschlägen auf eine katholische Kirche in der Stadt Jolo trifft es Gottesdienstbesucher und Soldaten. Die gleichnamige Insel gehört zur Provinz Sulu, einer Hochburg muslimischer Extremisten.

Im Süden der Philippinen sind bei zwei Bombenanschlägen auf eine katholische Kirche mindestens 20 Menschen getötet worden. Wenigstens 111 weitere wurden verletzt, wie unter anderem das Nachrichtenportal Rappler am Sonntag unter Berufung auf Polizei und Armee berichtete. Die Anschläge ereigneten sich demnach in der Stadt Jolo auf der gleichnamigen Insel in der Provinz Sulu. Die erste Bombe sei im Gebäude der Kathedrale während eines Gottesdienstes detoniert, die zweite auf dem Parkplatz der Kirche, nachdem Sicherheitskräfte zu Hilfe gerufen wurden. Die meisten Opfer seien Zivilisten. Nach Angaben des Militärs handelte es sich um selbst gebaute Sprengsätze.

Seit Jahrzehnten gibt es regionale Unruhen

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Behörden und Armee gehen von einem Terrorakt aus. Muslimische Extremisten kämpfen in der Region seit Jahrzehnten für einen eigenen Staat. Zu ihnen gehört auch die Terrormiliz Abu Sayyaf, die für Entführungen, Enthauptungen und Attentate berüchtigt ist.

Ein Sprecher von Präsident Rodrigo Duterte erklärte, die "gottlosen Kriminellen", die hinter den Anschlägen steckten, würden erbarmungslos verfolgt. Der Generalsekretär des Ökumenischen Weltkirchenrats (ÖRK) in Genf, Olav Fykse Tveit, forderte Duterte und die religiösen Führer sowie die Regierungen der Region dazu auf, "schnell und mutig zu handeln, um die grundlegenden religiösen Rechte aller Gläubigen zu schützen".

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, bekundete am Rande des Weltjugendtags in Panama sein "tiefes Entsetzen" über den Anschlag: "Mein Gebet gilt in dieser Stunde jenen, die grausam aus dem Leben gerissen wurden, und ihren Angehörigen", sagte Schick. Das Philippinische Rote Kreuz erklärte, es habe mehr als 140 freiwillige Helfer in der Region mobilisiert.

Friedensplan ist gescheitert

Die Bombenanschläge ereigneten sich nur zwei Tage nach Bekanntgabe der Ergebnisse eines Referendums für eine erweiterte Autonomie der Region. Bei der Volksabstimmung vom vergangenen Montag hatte sich eine klare Mehrheit der Befragten auf der vorwiegend von Muslimen bewohnten südphilippinischen Inselgruppe Mindanao für ein Autonomiegesetz ausgesprochen. Die Provinz Sulu gehört allerdings zu denjenigen Gebieten, in denen die Bevölkerung mehrheitlich dagegen votiert hatte.



Das Referendum war Ergebnis des langwierigen Friedensprozesses zwischen der Regierung und den Rebellen der "Moro Islamischen Befreiungsfront" (MILF), der 2014 in einem Abkommen mündete. Kleinere und radikale Gruppierungen, darunter die Abu Sayyaf, hatten indes wiederholt erklärt, den Fahrplan zum Frieden nicht anzuerkennen. Im Mai 2017 hatten muslimische Extremisten, die sich zur Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannten, die Stadt Marawi überfallen. Daraufhin verhängte Präsident Duterte das Kriegsrecht über die gesamte Region. Im Dezember stimmte das Parlament dafür, das Kriegsrecht für Mindanao bis Ende 2019 zu verlängern.