"Vater unser" in aller Vielfalt

Interkulturelles Weihnachtsfest lehnt sich an das orthodoxe Weihnachtsfest an, das in vielen Ländern am 7. Januar begangen wird.

© epd-bild/Jens Schulze

In der Kirche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) erklangen beim "Interkulturellen Weihnachtsfest" unter anderem arabische, iranische und japanische Lieder.

"Vater unser" in aller Vielfalt
Christen unterschiedlicher Kulturen feiern zusammen Weihnachten
Rund 500 Gäste aus verschiedenen Muttersprachen: Das "Interkulturelle Weihnachtsfest" in Hannover ist eine bunte Feier mit internationalen Liedern und einem festlichen Essen. Inzwischen beteiligen sich elf christliche Migrantengemeinden.

Das "Vater unser" ertönt aus 500 Mündern in der Muttersprache: Japanisch, Vietnamesisch, Spanisch, Arabisch, Persisch, Serbisch, Französisch, Englisch, Deutsch. All diese Stimmen, die beim Hinhören nicht unterschiedlicher sein können, sind sich übereinander gelagert einig. Ein leichter Weihrauchduft zieht durch den Raum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Hannover. An diesem Wochenende haben Christen aus zehn Kulturen miteinander Weihnachten gefeiert: mit Liedern, Gebeten und einem reich gedeckten Tisch.

"Gott liebt die Vielfalt", sagt Pastor Michael Rohde als Gastgeber. Aber was brauche es, damit das Miteinander im Alltag besser klappe, fragt er in einer Talkrunde. "Selbst innerhalb desselben Volkes gibt es immer wieder Vorbehalte", ergänzt Thi My Phuong Tran von der vietnamesischen Gemeinde. Tran ist Ende der 70er Jahre mit ihrer Mutter aus Südvietnam geflohen, sie haben als "Boat People" in Deutschland Zuflucht gefunden.

Die meisten Mitglieder ihrer Gemeinde stammten dagegen aus Nordvietnam. Sie waren Vertragsarbeiter in der ehemaligen DDR und kamen nach dem Mauerfall nach Hannover. "Zwischen den beiden Volksgruppen gab es anfangs ganz große Spannungen", erzählt Tran. "Wir mussten miteinander zurechtkommen und haben es mit jedem Tag ein bisschen mehr gelernt." Die Missverständnisse seien im Verlauf der Jahre überwunden worden.

Damit das Miteinander klappt, ist ehrliches Interesse an dem Anderen nötig, außerdem Zeit und die Bereitschaft, sich diese Zeit zu nehmen, sagt Pastor Rohde. Doch die wichtigste Regel habe eigentlich Jesus formuliert: "So wie ihr wollt, dass euch die Leute behandeln, so behandelt sie selbst." Vielleicht ist das mit ein Grund, warum das "Interkulturelle Weihnachtsfest" einen so großen Anklang findet. Abayomi Bankole vom Afrikanischen Dachverband Norddeutschland hat es vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufen.

Schon das Datum der Feier spiegelt die Vielfalt wieder: In einigen christlich-orthodoxen Ländern wird Weihnachten nach julianischem Kalender am 7. Januar gefeiert. Inzwischen machen insgesamt elf Gemeinden mit, und das Fest hat sich etabliert: "Einige fragen mich im Sommer schon danach."

An diesem Wochenende stellt sich das neueste Mitglied vor. Seit fast zehn Jahren kümmert sich die Persische christliche Gemeinde "Licht" um Flüchtlinge aus dem Iran, macht Seelsorge, Missionsarbeit oder Suchtberatung. Gerade bei jungen Menschen spielten Süchte manchmal eine große Rolle, sagt Azadeh Taghipour, von Beruf promovierte Biologin. "Teilweise vielleicht gerade darum, weil so vieles in Iran verboten ist."

Über soziale Medien versucht die persische Gemeinde, auch den Christen im Iran Halt zu geben, die sich nicht frei entfalten können. Sie nimmt Predigten auf, Lieder und sogar kleine Theaterstücke. Die Bilder oder Videos lädt sie dann hoch. "Alles im Kurzformat", sagt Taghipour. Und sie kooperiert mit christlichen Medien wie Fernsehsendern, die sich an Standorten außerhalb Irans befinden, um beispielsweise Live-Gottesdienste zu übertragen. Bei Telegram hat die Gemeinde 600 Abonnenten, bei Instagram sind es 3.000. "Wir wollen Menschen mit dem Internet einen Ort geben, an dem sie sich treffen."