Indien: Weiter Hindu-Proteste wegen Tempelbesuch von Frauen

Unruhen am hinduistischen Wallfahrtsort Sabarimala

© Manish Swarup/AP/dpa

Pilger auf den als heilig geltenden Stufen des Tempels in Sabarimala in Kerala.

Deutschland spricht 2019
Indien: Weiter Hindu-Proteste wegen Tempelbesuch von Frauen
In Indien halten die gewalttätigen Proteste gegen den historischen Tempelbesuch von drei Frauen weiter an. Am Samstag verübten Unbekannte im Bundesstaat Kerala erneut Brand- und Bombenanschläge auf Häuser und Büros von Politikern, wie indische Medien berichteten. Verletzt wurde niemand. Die Polizei hat inzwischen über 3.000 Demonstranten festgenommen. Am Freitag war einer dritten Frau der historische Besuch im Sabarimala Tempel gelungen.

Radikale Hindus haben das Leben im Bundesstaat mit Streiks und Demonstrationen lahmgelegt, nachdem am Mittwoch zwei Frauen erstmals im vergoldeten Schrein gebetet hatten, der für Mädchen und Frauen zwischen zehn und 50 Jahren nicht zugänglich ist. Die Hindus beschuldigen die Regierung von Kerala, den Frauen bei ihrem Besuch des Tempels geholfen zu haben. Mindestens ein Mensch starb bei den Protesten, über 270 wurden verletzt.

Premierminister Narendra Modi, dessen hindunationalistische Partei an der Regierung ist, will am 15. Januar den Bundesstaat Kerala besuche, der traditionell von links-kommunistischen Bündnissen regiert wird. Der Besuch des streng asketisch lebenden Hinduisten Modi könnte die Situation im Bundesstaat weiter zuspitzen. Dem Glauben nach dürfen Frauen zwischen zehn und 50 Jahren den Sabarimala Tempel nicht betreten, weil der dort verehrte Gott unverheiratet ist und von Besucherinnen "verführt" werden könnte. Menstruierende Frauen gelten laut hinduistischer Tradition als unrein und dürfen weder an religiösen Riten teilnehmen noch Tempel betreten.



Im September 2018 hatte das Oberste Gericht Indiens erklärt, der Frauenbann des Tempels verstoße gegen die von der Verfassung garantierte Gleichbehandlung von Männern und Frauen. Doch extremistischer Hindus verwandelten den Sabarimala Tempel daraufhin in eine Festung, um sich gegen die Aufhebung des Frauenverbots zu wehren. Sie hinderten Dutzende Frauen daran, bis zum Tempel zu gelangen, der auf einem Hügel in einem Wald liegt. Die beiden Frauen, die am Mittwoch am Tempel gebetet hatten, werden inzwischen von der Regierung Keralas versteckt, um sie zu schützen. Sie hatten bereits im Dezember vergeblich versucht, den Schrein zu erreichen. Die meisten Tempel in Indien erlauben den Besuch von Frauen und setzen keine strikten Altersregeln wie der Sabarimala Tempel. Allerdings gibt es mehrere berühmte Tempel, die ein absolutes Frauenverbot aufrecht erhalten.

Meldungen

Top Meldung
Kirchliche Trauuung
Taufen, Trauungen und Beerdigungen sind in Familien ganz besondere Tage - die Pfarrerinnen und Pfarrer in Fürth wollen von Kirchenmitgliedern oder Männern und Frauen ohne Konfession wissen, was sie von solchen Festen erwarten und was sie erlebt haben.