Weißer Ring fordert schnellere Hilfe für Opfer

Flyer vom "Weißen Ring"

Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Informationsmaterial der Hilfsorganisation Weißer Ring.

Weißer Ring fordert schnellere Hilfe für Opfer
Die Opferhilfe-Organisation "Weißer Ring" hat nach der Amokfahrt von Bottrop und Essen eine schnelle psychotherapeutische Betreuung für die betroffenen Menschen angemahnt.

Bislang scheitere die Behandlung solcher Trauma-Opfer daran, dass es nicht genügend Psychotherapeuten mit Kassenzulassung gebe, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation, Dominic Schreiner, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Folge seien "unzumutbare Wartezeiten für Menschen, die eigentlich schnelle Hilfe benötigen".

Der "Weiße Ring" fordere seit Jahren von den Krankenkassen, dass sie erheblich mehr Psychotherapeuten zuließen. "Die Bedarfsplanungen der Kassen, die Grundlage für die Zulassungen sind, müssen dringend angepasst werden", betonte Schreiner.

Erinnerungsfragmente in der eigenen Lebensgeschichte

Menschen, die traumatische Situationen wie die Amokfahrt an Silvester erlebt haben, befänden sich oft für einige Stunden in einer Art Schockzustand. Dem könne sich für ein bis vier Wochen eine "akute Belastungsphase" anschließen, die von Gefühlen wie Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht begleitet wird. "Dem folgt dann die Verarbeitung, das heißt: Das Erlebte wird nach und nach in Form von Erinnerungsfragmenten in die eigene Lebensgeschichte eingebaut", sagte Schreiner. Im Optimalfall könne das den Betroffenen wieder mehr Sicherheit im Alltag vermitteln. Aus Angst vor Rückschlägen würden zudem Situationen, die dem traumatischen Erlebnis gleichen, vermieden.



Überdies sei bei den traumatisierten Personen oft der Schlaf gestört, auch Konzentrationsprobleme könnten auftreten. Gelinge den Betroffenen die Verarbeitung des Erlebten nicht, kann sich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln. Laut dem Weißen Ring tritt bei etwa jeder vierten Person, die ein traumatisches Erlebnis hat, eine solche Störung auf, die auch nach sechs Monaten noch akut ist.

Gespräche mit Betroffenen

Zur unmittelbaren Hilfe in Notsituationen sei ein klärendes Gespräch mit den Betroffenen wichtig, führte Schreiner aus: "Reden hilft - mit dem eigenen sozialen Umfeld oder mit professionell ausgebildeten Opferhelfern wie den Beschäftigten in den bundesweit rund 160 Trauma-Ambulanzen."

In Bottrop und Essen war in der Silvesternacht ein 50-jähriger Deutscher mit seinem Wagen gezielt in Gruppen mit ausländisch aussehenden Personen gefahren. Acht Menschen unter anderem aus Syrien und Afghanistan wurden dabei zum Teil schwerst verletzt. Bei der Festnahme erklärte der aus Essen stammende Mann, er habe aus Ausländerhass gehandelt. Der 50-Jährige kam am Mittwoch wegen mehrfachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Zudem prüfen die Ermittlungsbehörden derzeit auch noch, inwieweit eine psychische Erkrankung bei dem Beschuldigten vorliegt.

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