Kirchen rufen an Weihnachten zum Zusammenhalt auf

Ein Mensch zeigt auf einen leuchtenden Stern am Abendhimmel

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Kirchen rufen an Weihnachten zum Zusammenhalt auf
Die Hoffnung auf Frieden und mehr Menschlichkeit stand im Mittelpunkt der kirchlichen Weihnachtsbotschaften. Papst Franziskus rief dazu auf, die "Spirale von Gier und Maßlosigkeit" zu durchbrechen.

Die Kirchen haben an Weihnachten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zu mehr Menschlichkeit aufgerufen. Die Weihnachtsbotschaft setze dem Nationalismus, der Menschenfeindlichkeit und dem Aufhetzen der Menschen untereinander ein Ende, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am ersten Weihnachtstag in einer Predigt in München. Der Papst spendete in Rom den traditionellen Segen "Urbi et orbi".

Papst Franziskus rief die Menschen angesichts von Kriegen und Konflikten weltweit dazu auf, sich als Brüder und Schwestern zu verstehen. Vor Zehntausenden Pilgern und Touristen spendete er am Dienstag auf dem Petersplatz den Segen "Urbi et orbi" (der Stadt und dem Erdkreis). "Unsere Verschiedenheit schadet uns nicht, sie bedeutet keine Gefahr. Sie ist vielmehr ein Reichtum", sagte er. Zugleich rief das Oberhaupt der Katholiken zu stärkeren Friedensbemühungen in vielen Konfliktregionen der Welt auf.

In der Mitternachtsmette hatte der Papst am Montagabend kritisiert, viele Menschen seien gierig und unersättlich geworden. "Das Haben, das Anhäufen von Dingen scheint für viele der Sinn des Lebens zu sein", sagte Franziskus im Petersdom. Er rief zur Besinnung auf die ursprüngliche christliche Botschaft auf. Durch Christus könnten die Gläubigen "in der Liebe wiedergeboren werden und die Spirale von Gier und Maßlosigkeit durchbrechen".

"Weihnachten verändert das persönliche Leben"

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief dazu auf, Gräben zwischen Menschen und Religionen zu überwinden. Mit Blick auf die Weihnachtsbotschaft sei weder eine "fundamentalistische Religion" möglich, noch könne der Glaube auf ein "Traditionschristentum" reduziert werden, betonte der Münchner Erzbischof.

Weihnachten hat nach Überzeugung des EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm die Welt verändert. Gott sei im Kind von Bethlehem Mensch geworden und habe "einer Welt, in der es so viele Kriegserklärungen gibt, ein für allemal die Liebe erklärt", sagte der bayerische Landesbischof am ersten Weihnachtstag in der Münchner Matthäuskirche. Weihnachten verändere auch das persönliche Leben der Menschen. An Heiligabend hatte Bedford-Strohm in München eine Unterkunft für Obdachlose besucht.


Der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister betonte, Weihnachten gebe Hoffnung trotz aller Kriege und Katastrophen in der Welt. Wer in der Familie Versöhnung stifte, die Menschenwürde gegen Hassparolen verteidige oder sich als Politiker den Schutz der Schöpfung einsetze, sei ein Beispiel dafür, sagte er an Heiligabend in der hannoverschen Marktkirche.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, sieht in der christlichen Weihnachtsbotschaft "eine große Protestkraft". Die Menschwerdung Gottes durch Jesu Geburt stelle die Machtfrage, sagte Rekowski an Heiligabend in der Düsseldorfer Johanneskirche. Der Glaube an Jesus, den Friedensbotschafter, könne die Menschen von ihrem Egoismus erlösen und aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt befreien.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki appellierte an die Gläubigen, sich um bedürftige und einsame Menschen zu kümmern. "Es geht um die Tatsache, dass es bei Millionen Menschen niemals klingelt, dass keine private E-Mail eingeht, dass keiner mit ihnen spricht und ihnen nicht mal jemand ein Zwitschern via Twitter schickt", sagte der katholische Theologe am ersten Weihnachtstag im Kölner Dom.