Friedensnobelpreisträger nehmen Weltgemeinschaft in die Pflicht

 Nadia Murad und Denis Mukwege sind die Friedensnobelpreisträger 2018

© Patrick Seeger/dpa / Ralf Hirschberger/dpa

Denis Mukwege und Nadia Murad

Friedensnobelpreisträger nehmen Weltgemeinschaft in die Pflicht
Vor der feierlichen Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo haben der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die jesidische Aktivistin Nadia Murad die Weltgemeinschaft in die Pflicht genommen. Konkrete Schritte gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und Konflikten seien unabdingbar, betonten die beiden Preisträger am Sonntag in Oslo.

Die Körper von Frauen seien zu Schlachtfeldern geworden, sagte Mukwege. Es reiche nicht mehr, diese "entmenschlichenden Vorgänge" nur anzuprangern. Beide Preisträger betonten, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssten. Gräuel dieser Art dürfe es nicht mehr geben. Nadia Murad bezeichnete den diesjährigen Friedensnobelpreis zudem als "eine Ehre, die den Opfern eine Stimme" gebe. Die Auszeichnung wird an diesem Montag in Oslo verliehen.

Der 63-jährige Gynäkologe Mukwege operiert und betreut im Ostkongo vergewaltigte, schwer verstümmelte und traumatisierte Frauen. 2012 entkam er nur knapp einem Mordanschlag. Er galt schon seit Jahren als Anwärter auf Friedensnobelpreis. 2013 bekam er bereits den Alternativen Nobelpreis zuerkannt. Nadia Murad (25) war im August 2014 im Irak von Terroristen der Miliz "Islamischer Staat" (IS) verschleppt worden. Die mittlerweile in Baden-Württemberg lebende Jesidin engagiert sich seit 2016 als UN-Sonderbotschafterin für Überlebende von Menschenhandel und sexueller Versklavung.



Der Friedensnobelpreis könne die Verbrechen nicht ungeschehen machen, erklärten die beiden Preisträger. Allerdings werfe die Auszeichnung ein neues Licht auf Massenvergewaltigungen und sexuelle Unterjochung: "Niemand innerhalb der Weltgemeinschaft kann nun behaupten, er oder sie habe davon nichts gewusst", sagte Mukwege. An Murad gewandt erklärte er, er habe Hochachtung vor ihrer Haltung und ihrem Kampf. Schweigen und Tabuisierung würden ansonsten bedeuten, die Gewalt am Leben zu halten. Nadia Murad betonte, der Preis helfe ihr und anderen bei der schweren Aufgabe, Verbrechen wie die Verschleppung Tausender jesidischer Frauen und Mädchen durch den IS zu benennen.

Der Friedensnobelpreis ist die höchste Auszeichnung für Friedensbemühungen weltweit. Gestiftet wurde er von dem schwedischen Chemiker und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896). In diesem Jahr ist er mit neun Millionen Kronen (derzeit knapp 880.000 Euro) dotiert. Er wird traditionell am 10. Dezember in Oslo überreicht, dem Todestag Nobels. 2017 ging die Auszeichnung an das Anti-Atomwaffenbündnis Ican.