Fall Asia Bibi: Pakistans Regierung wegen Einigung mit Islamisten weiter in der Kritik

Menschenrechtler fordern von UN wirksameren Schutz religiöser Minderheiten

Foto: Irum Asim/AP/dpa/Irum Asim

Pakistanische Christinnen beten für die wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi.

Pakistans Regierung steht wegen seiner Kapitulation vor dem islamistischen Mob weiter in der Kritik: Pakistans Ministerin für Menschenrechte, Shireen Mazari, erklärte am Wochenende, die Einigung der Regierung mit den Anti-Blasphemie-Demonstranten, die gegen den Freispruch der wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilten Christin Asia Bibi protestiert hatten, sende ein gefährliches Signal aus.

Es sei Aufgabe der Regierung, die Prinzipien des Rechtsstaats durchzusetzen, sagte Mazari, wie pakistanische Medien berichteten. Am Freitag hatten die islamistischen Demonstranten, die das Land drei Tage lang mit Randalen, Plünderungen und Blockaden lahmgelegt hatten, erzwungen, dass die etwa 50-jährige Asia Bibi trotz des Freispruchs Pakistan nicht verlassen darf. Die Regierung gab den Forderungen der Islamisten nach, eine Ausreisesperre gegen Bibi zu verhängen. Der Mann von Bibi wandte sich in einem dramatischen Appell an andere Länder, ihm und Bibi Asyl zu gewähren.

Am Samstag hatte der Anwalt der freigesprochenen Christin Pakistan verlassen, weil er um sein Leben fürchtete. Der 62-jährige Saif ul Mulook hatte fast zehn Jahre damit zugebracht, die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte Frau vor dem Galgen zu retten. "Ich muss am Leben bleiben, weil ich den Rechtsstreit für Asia Bibi weiterführen muss", zitierte ihn die Zeitung "Dawn". 

Ehemann sendet Hilferuf an Kanada, die USA und Großbritannien

Die religiösen Hardliner fordern den Tod von Bibi und der verantwortlichen drei Richter. Außerdem verlangen sie, dass der Fall vor Gericht neu verhandelt wird - mit anderen Richtern. Die Regierung gab dem zum Teil nach und verpflichtete sich, keinen Widerstand gegen die Wiedervorlage des Falls Bibi beim Obersten Gericht zu leisten. Im Gegenzug beendeten die Demonstranten unter Führung des radikalen Predigers Khadim Hussain Rizvi ihre Proteste.

Angesichts der bedrohlichen Situation bat der Ehemann von Bibi, Ashiq Masih, Kanada, die USA und Großbritannien darum, der Familie zu helfen. "Die augenblickliche Situation ist sehr gefährlich für uns. Wir haben keine Sicherheit und müssen oft unseren Aufenthaltsort wechseln", erklärte Masih. "Helft uns, das Land zu verlassen". 

Die Gesellschaft für bedrohte Völker rief die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, dazu auf, sich für einen wirksameren Schutz religiöser Minderheiten und ihrer Rechtsvertreter in Pakistan einzusetzen. "Es ist skandalös, dass der Rechtsanwalt Asia Bibis glaubt, nur durch eine Flucht ins Ausland seine Ermordung durch Extremisten abwenden zu können", sagte der Direktor der Göttinger Gesellschaft, Ulrich Delius.



In einem bahnbrechenden Urteil hatte das Oberste Gericht Pakistans am Mittwoch das Blasphemie-Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben. Die Richter in Islamabad ordneten zudem die sofortige Freilassung Bibis an, die seit fast zehn Jahren in Haft ist. Dies kann sich nun weiter verzögern. Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden.

Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode. Der Fall Asia Bibi hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und auch Gewalt geführt. Ein Jahr nach dem Todesurteil wurde der Gouverneur der Punjab-Provinz, Salman Taseer, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht, weil er sich für die Freilassung von Bibi eingesetzt hatte.