Neue Stiftungsprofessur für christlich-jüdischen Dialog

Berliner Humboldt-Universität

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Die Stiftungsprofessur zum christlich-jüdischen Dialog ist ein Resultat aus der Beschäftigung der Protestanten mit Antisemitismus in den eigenen Reihen.

Neue Stiftungsprofessur für christlich-jüdischen Dialog
An der Berliner Humboldt-Universität wird eine Stiftungsprofessur zum christlich-jüdischen Dialog eingerichtet. Das friedliche Miteinander der Religionen als Teilaspekt des gesellschaftlichen Zusammenhalts sei der Universität ein großes Anliegen, sagte Hochschulpräsidentin Sabine Kunst am Montagabend bei der Vorstellung der Professur in Berlin.

Die Universität wolle sich in die aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen künftig stärker einmischen, kündigte sie an. Die neue Professur sei ein Schritt dazu. Initiiert wurde die Stelle von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und den evangelischen Landeskirchen. Die Einrichtung ist ein Resultat aus der Beschäftigung der Protestanten mit Antisemitismus in den eigenen Reihen im Zuge der Reformation vor 500 Jahren.

2015 hatte sich die EKD-Synode vom Antisemitismus in Schriften des Reformators Martin Luther (1483-1546) distanziert. "Luthers Sicht des Judentums und seine Schmähungen gegen Juden stehen nach unserem heutigen Verständnis im Widerspruch zum Glauben an den einen Gott, der sich in dem Juden Jesus offenbart hat", heißt es in der vor drei Jahren verabschiedeten Stellungnahme des Kirchenparlaments. Ein Jahr später verabschiedete die Synode außerdem einen Beschluss, in der sie der sogenannten Judenmission eine Absage erteilt.

Infolge der Diskussion um Antisemitismus in der evangelischen Kirche entstand die Idee zur Einrichtung der Stiftungsprofessur, die nach Angaben der EKD vom Stifterverband und der Volkswagen-Stiftung unterstützt und nach zehn Jahren fest in der Humboldt-Universität verankert werden soll. Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, betonte, die Professur sei ein wichtiges Zeichen angesichts der aktuellen Diskussionen. Antisemitismus sei in einem erschreckenden Maß wieder Thema öffentlicher Auseinandersetzungen geworden, sagte Schwaetzer.

Sie forderte die Kirche selbst auf, dem etwas in den eigenen Reihen entgegenzusetzen. Rechtspopulismus und Antisemitismus würden in öffentlichen Äußerungen verbunden. Rechtspopulisten säßen nicht nur in staatlichen Organen wie dem Bundestag, sondern auch in Gemeindekirchenräten, sagte die frühere FDP-Politikerin. Sie fürchte, bald seien sie auch in Synoden vertreten. Die Stiftungsprofessur sei ein gutes Mittel, in der Auseinandersetzung mit Populisten und Antisemiten wissenschaftlich fundiert etwas entgegenzusetzen, sagte Schwaetzer.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister verwies auf den Bildungsauftrag der evangelischen Kirche als Erbe der Reformation. Die Professur sei in diesem Sinne nicht nur eine gute Idee, sondern eine Notwendigkeit, sagte der Theologe. Die Professur ist eine deutschlandweite Premiere und soll nach aktuellen Plänen zum Wintersemester 2019/20 starten. Eine Berufungskommission, in der auch eine jüdische Vertreterin sitzt, hat die Suche nach einer geeigneten Person bereits begonnen.

Die Stelle unter dem kompletten Titel "Stiftungsprofessur für Geschichte und Gegenwart des jüdisch-christlichen Verhältnisses" wird am Institut Kirche und Judentum der Theologischen Fakultät angesiedelt, das vom Kirchenhistoriker Christoph Markschies geleitet wird. Inhaltlicher Schwerpunkt liege auf der europäischen Neuzeit. Insbesondere die Wirkung der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Theologien auf das christlich-jüdische Verhältnis soll erforscht werden.

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