Frankfurter Buchmesse im Zeichen der Menschenrechte

Die Frankfurter Buchmesse will ein Zeichen für Europa, den internationalen Dialog und die Menschenrechte setzen. Die 70. Ausgabe der Messe werde ein Ort der Freiheit und des gegenseitigen Respekts sein, kündigte Direktor Juergen Boos am Dienstag vor der Eröffnung an. Wer die Bühnen der Messe missbrauche, dem wolle man sofort und vehement widersprechen, betonte Boos. Die weltweit größte Fachmesse der Buchbranche dauert bis Sonntag. Ehrengast ist Georgien.

Zur Eröffnung am Abend werden unter anderen die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der georgische Ministerpräsident Mamuka Bachtadse erwartet. Redner ist der georgische Schriftsteller Aka Morchiladze.

Meinungsfreiheit im Vordergrund

In diesem Jahr nehmen etwa 7.500 Aussteller aus mehr als 100 Ländern an der Messe teil. Die Zahl der Aussteller ist nach den Worten von Boos um etwa drei Prozent gewachsen. Wachstumsregionen seien vor allem Nordamerika, Kanada, Afrika und Südostasien. Zum ersten Mal seit Jahren sei Kuba mit einem Gemeinschaftsstand vertreten. Die Meinungsfreiheit solle in diesem Jahr im Vordergrund stehen, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er forderte mit Nachdruck, alle inhaftierten Medienschaffenden in der Türkei und auf der ganzen Welt freizulassen.

Im vergangenen Jahr hatte es am Stand des rechtsgerichteten Antaios-Verlages und wegen des Auftritts von AfD-Politiker Björn Höcke Tumulte gegeben. In diesem Jahr fehlt der Antaios-Verlag. Aus dem rechten Spektrum sind lediglich der Verlag der Wochenzeitung "Junge Freiheit" und die Manuscriptum-Verlagsbuchhandlung vertreten, die Höckes neues Buch "Nie zweimal in denselben Fluss - Björn Höcke im Gespräch mit Sebastian Hennig" herausgibt. Höcke wird nach Angaben des Verlags am 12. Oktober auf der Messe erwartet, um dieses Buch vorzustellen. 

Kampagne "On The Same Page"

Nach den Worten von Boos will die Buchmesse mit einem Veranstaltungsprogramm im Zentrum Weltempfang und im neuen "Frankfurt Pavilion" mitten auf der Agora Stellung für Demokratie und Menschenrechte beziehen. Außerdem habe die Messe mit Arte, dem ZDF und dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die Kampagne "On The Same Page" gestartet, um die Bedeutung der vor 70 Jahren verabschiedeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie machte besonders auf die zum Teil verheerende Situation von Frauen aufmerksam. Sowohl im Nahen Osten und in Asien, aber auch im Westen würden Frauen auf ihren Körper reduziert, sagte sie auf der Pressekonferenz. Auch in der Literatur würden Frauen oft immer noch so dargestellt, dass der Leser sie mögen müsse. Frauen dürften nicht länger unsichtbar sein.



Der Gastland-Auftritt Georgiens steht unter dem Motto "Georgia - Made by Characters". Dazu werden nach Angaben der Buchmesse mehr als 70 Autorinnen und Autoren aus dem Land am östlichen Rand Europas erwartet, darunter Aka Morchiladse, Naira Gelaschwili und Lewan Berdsenischwili, ehemaliger Direktor der Georgischen Nationalbibliothek, der von 1984 bis 1987 wegen "antisowjetischer Agitation und Propaganda" in einem Gefangenenlager inhaftiert war. Auch die in Hamburg lebende Autorin Nino Haratischwili wird ihr neues Buch vorstellen.

Veranstaltungsprogramm zum afrikanischen Buchmarkt

Unter dem Motto "Lettres d'Afrique Francfort - Changing the narrative" findet in diesem Jahr erstmalig ein mehrtägiges Veranstaltungsprogramm zum afrikanischen Buchmarkt statt. Verlage und Gemeinschaftsstände aus 19 afrikanischen Ländern präsentierten Titel, darunter aus Angola, Äthiopien, Ghana, den Kapverden, Nigeria und dem Senegal.

Erwartet werden in diesem Jahr Autoren und Autorinnen wie Maja Lunde, Paul Beatty, Hakan Nesser, Otto Waalkes, Meg Wolitzer und Juli Zeh. Auch Sebastian Fitzek, Volker Klüpfel und Michael Kobr, Robert Seethaler, Bodo Kirchhoff sowie Asli Erdogan und Deniz Yücel haben sich angekündigt.