Kirche fordert deutsche Flagge für Rettungsschiff "Aquarius"

 Zahlreiche Flüchtlinge, die auf Booten von Libyen aus nach Italien übersetzen wollten, werden während eines Rettungseinsatzes vor der libyschen Küste geborgen. I

Foto: Laurin Schmid/SOS Mediterranee/dpa

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass dem Rettungsschiff der Hilfsorganisationen "SOS Mediterranée" und "Ärzte ohne Grenzen" die Flagge Panamas aberkannt wurde.

Kirche fordert deutsche Flagge für Rettungsschiff "Aquarius"
Die Evangelisch-reformierte Kirche hat die Bundesregierung aufgefordert, sich für das Rettungsschiff "Aquarius 2" einzusetzen und es unter deutsche Flagge zu stellen.

"Es ist untragbar, dass im Mittelmeer ertrinkenden Menschen jegliche Unterstützung entzogen wird", sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher am Montag in Leer. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass dem Rettungsschiff der Hilfsorganisationen "SOS Mediterranée" und "Ärzte ohne Grenzen" die Flagge Panamas aberkannt wurde. Die "Aquarius 2" ist das letzte private Rettungsschiff, das im Mittelmeer Flüchtlinge aus Seenot retten will.

Die Sprecherin von SOS Mediterranée, Jana Ciernioch, begrüßte den Vorstoß Heimbuchers. "Wir sind für jede Unterstützung dankbar und fordern die europäischen Staaten auf, uns eine Flagge zur Verfügung zu stellen." Sie warf den italienischen Behörden vor, Panama politisch unter Druck zu setzen. Dies gehe aus einem offiziellen Schreiben an die Eignerin des Schiffes, die in Bremen beheimatete "Jasmund Shipping", hervor.

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Zuvor hatte Ciernioch zufolge bereits Gibraltar der "Aquarius 2" die Flagge aberkannt. Die Nationalitätenflagge eines Schiffes sei vergleichbar mit einer Kfz-Zulassung und zwingend erforderlich. Da ein Flaggenwechsel auf See nicht möglich sei, werde das Schiff seine Flagge im nächsten Hafen verlieren. Die Aquarius werde in zwei bis drei Tagen im französischen Marseille erwartet.

Heimbucher appellierte an die Bundesregierung, dafür Sorge tragen, dass die "Aquarius 2" unverzüglich ihre Rettungseinsätze im Mittelmeer wieder aufnehmen kann. Es könne nicht sein, dass europäische Staaten den Einsatz von Rettungsorganisationen gezielt verhinderten. "Wenn die zivilen Rettungsschiffe ihre Einsätze nicht fortsetzen dürfen, sterben Menschen vor den Toren Europas." Der Kirchenpräsident kündigte an, mit Politikern über die Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer zu sprechen.

Die "Aquarius" ist seit 31 Monaten im zentralen Mittelmeer im Einsatz. Nach Angaben von SOS Mediterranée hat sie in mehr als 230 Rettungseinsätzen bislang fast 30.000 Menschen gerettet. Im vergangenen Jahr erhielt die Organisation dafür den Houphouët Boigny-Friedenspreis der UN-Wissenschaftsorganisation Unesco.