Tafeln begehen 25-jähriges Bestehen

25 Jahre Tafel

Foto: Annette Riedl/dpa

Vor 25 Jahren startete in Berlin die erste "Tafel", um Bedürftige mit überzähligen Lebensmitteln zu versorgen, zum Beispiel aus Supermärkten und Bäckereien.

Tafeln begehen 25-jähriges Bestehen
Die Tafeln in Deutschland haben am Freitag mit einem Zukunftskongress in Berlin an die Anfänge ihrer Bewegung vor 25 Jahren erinnert.

Im Jahre 1993 wurde von einer "Initiativgruppe Berliner Frauen" die bundesweit erste Tafel gegründet, um bedürftige Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Heute gibt es in Deutschland über 940 Tafeln, die gespendete Lebensmittel an etwa 1,5 Millionen Menschen verteilen, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Tafel Deutschland, Jochen Brühl. Ein Drittel davon seien Kinder und Jugendliche.

Die 60.000 Tafel-Mitarbeiter leisteten über 24 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit im Jahr - in einem umgerechneten Wert von 261 Millionen Euro. Sie retteten durch ihren Einsatz jährlich über 260.000 Tonnen Lebensmittel und würde diese an Bedürftige weitergeben.

Die Zahl der von Armut Betroffenen wächst

Die Aufgaben der Tafeln seien in den vergangenen Jahren angewachsen und komplexer geworden, sagte Brühl. Wie die Gesellschaft insgesamt, so werde auch die Tafel-Arbeit digitaler, globaler und schnelllebiger. Viele Tafeln böten mittlerweile Zusatzangebote von Kleiderkammern und Sozialberatung bis zu Bringdiensten und warmen Mittagstischen oder Kinderbetreuung an. Durch diese Angebote schafften sie Raum für Begegnung und damit den Rahmen zum Aufbau eines sozialen Netzwerks, das von Armut Betroffenen Halt gebe und sie dabei unterstützen könne, ihre Situation zu verbessern.

Gemeinsam mit den vier großen Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, dem Deutschen Caritasverband, der Diakonie Deutschland, dem Paritätischen Gesamtverband und der Arbeiterwohlfahrt forderten die Tafeln in einer am Freitag verbreiteten gemeinsamen Erklärung die Politik auf, sich stärker gegen Armut und Ausgrenzung einzusetzen.

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Die Zahl der von Armut betroffenen alleinerziehenden und kinderreichen Familien, Senioren und Seniorinnen und Menschen mit Migrationshintergrund steige, heißt es in der Erklärung unter dem Titel "Soziale Gerechtigkeit schaffen - Gemeinsam gegen Armut und Ausgrenzung". Die Unterzeichner fordern unter anderem, die Regelsätze in der Grundsicherung so anzupassen, dass nicht nur das physische Existenzminimum abgedeckt, sondern auch ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben ermöglicht wird. Zudem müsse die Alterssicherung auf ein solides Fundament gestellt werden, damit Menschen im Alter nicht in Armut geraten.