Gauland-Äußerung: Wollte NS-Verbrechen nicht bagatellisieren

Alexander Gauland (AFD), Fraktionsvorsitzender im Deutschen Bundestag

Foto: Alexander Prautzsch/dpa

Alexander Gauland (AFD), Fraktionsvorsitzender im Deutschen Bundestag

Die relativierenden Äußerungen des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland über die NS-Zeit sorgen weiter für Empörung in Politik und Gesellschaft.

Es sei "beschämend", dass man sich mit solchen Äußerungen eines Bundestagsabgeordneten befassen müsse, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Bundesregierung weise jede Relativierung des Nationalsozialismus entschieden und unmissverständlich zurück. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, erklärte: "Gaulands Haltung zeugt von einer menschenverachtenden Ideologie, die in Wahrheit deutschlandfeindlich ist."

Gauland selbst wandte sich zwei Tage nach seinen Äußerungen mit der Beteuerung an die Presse, es sei nicht seine Absicht gewesen, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bagatellisieren. Der 77-jährige AfD-Politiker hatte am Samstag bei einem Kongress der Jungen Alternative für Deutschland im thüringischen Seebach gesagt, Hitler und die Nazis seien "nur ein Vogelschiss" in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte gewesen.

Gauland bedauere die entstandene Wirkung

Er habe in seiner Rede seine "tiefste Verachtung für den Nationalsozialismus mit einem Sprachbild zum Ausdruck gebracht, das für Missverständnisse sowie Missdeutung gesorgt hat", hieß es in der Pressemitteilung der AfD-Fraktion vom Montag. "'Vogelschiss' ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe", erklärte Gauland. Viele hätten allerdings in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen. "Nichts lag mir ferner als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen." Er bedauere die entstandene Wirkung. Es sei nicht seine Absicht gewesen, die NS-Opfer zu bagatellisieren oder gar zu verhöhnen.

Die Äußerungen Gaulands hatten bereits am Wochenende scharfe Kritik bei Holocaust-Überlebenden und in der Politik hervorgerufen. Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, erklärte am Montag, Gaulands Aussage verhöhne "alle Opfer der in der Tat nur zwölf Jahre dauernden nationalsozialistischen Herrschaft. Sie verhöhnt das daraus resultierende anhaltende Leid und die bleibende Trauer, die die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland bis heute prägen."

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sprach von einer "widerwärtigen und verantwortungslosen" Rede. Die Worte Gaulands seien mehr als eine Geschmacklosigkeit. Gauland wolle vielmehr gezielt das rechtsradikale Potenzial innerhalb und außerhalb der AfD mobilisieren. Mit solchen Aussagen ziele die AfD auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung, kritisierte der Zentralrat am Montag. Er forderte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf, die AfD durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen.

Regierungssprecher Seibert betonte, Deutschland sei nach dem Holocaust nur deswegen wieder ein international geachteter Partner geworden, weil sich die Deutschen zu der "immerwährenden Verantwortung" für die Verbrechen der Nazis bekannt hätten. Deswegen beginne auch das Grundgesetz mit der Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen. "Wer das nicht verstehen will, wer das aufs Spiel setzt, der disqualifiziert sich selbst", sagte Seibert.