Hunderttausenden Kindern im Südsudan droht der Hungertod

Bei einem Baby im Südsudan wird der Armumfang gemessen.

Foto: epd-bild/WFP/George Fominyen

Bei einem Baby wird in Thonyor Payam im Bundesstaat Unity im Südsudan der Armumfang gemessen. Das Ergebnis zeigt in gelb, dass das Kind von Mangelernährung bedroht ist.

Die Vereinten Nationen (UN) haben vor einer Zunahme der Hungerkrise im Südsudan gewarnt. Hunderttausenden Kindern in dem Bürgerkriegsland drohe der Hungertod, erklärte das Hilfswerk Unicef am Freitag in Genf.

Mehr als eine Million Jungen und Mädchen im Südsudan seien akut unterernährt. Der UN-Sicherheitsrat in New York setzte den Konfliktparteien eine Frist bis Ende Juni, um die Kämpfe zu beenden. Ansonsten drohen Sanktionen. Das Welternährungsprogramm (WFP) betonte, dass mehr als sieben Millionen Menschen - über die Hälfte der Bevölkerung des Südsudans - auf Nahrungsmittel-Zuteilungen angewiesen seien.

Das WFP rief die Staatengemeinschaft zu mehr Hilfe auf. Bislang seien erst 37 Prozent der für den Südsudan dringend benötigten Summe von 354 Millionen US-Dollar (303 Millionen Euro) eingetroffen. Mit dem Geld will das WFP die Nahrungsmittelhilfe von Juni bis November finanzieren. Der UN-Sicherheitsrat forderte eine wirksame Waffenruhe bis Ende Juni. Andernfalls drohten den Konfliktparteien ein Waffenembargo und Sanktionen gegen sechs Anführer, heißt es in der in New York mit knapper Mehrheit beschlossenen Resolution des mächtigsten UN-Gremiums. Damit reagiert der Sicherheitsrat auf den wiederholten Bruch der im Dezember vereinbarten Waffenruhe im Südsudan. Die USA, die die Resolution eingebracht hatten, haben bereits ein Waffenembargo gegen die ostafrikanische Nation verhängt.

Zivilbevölkerung leidet massiv unter Gewalt

Im Südsudan war Ende 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem damaligen Vize Riek Machar zu einem Bürgerkrieg eskaliert, der zu brutalen Kämpfen zwischen unterschiedlichen Ethnien führte. Unter der Gewalt leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Die Kommission, die den Waffenstillstand überprüfen soll, wirft sowohl der Armee wie auch mehreren Rebellengruppen schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

In einem am Donnerstag publik gewordenen Bericht ist von zahlreichen Massenvergewaltigungen die Rede. Soldaten sollen ganze Dörfer angezündet und dabei auch Kinder getötet haben. Den Rebellen wird der Einsatz von Kindersoldaten zur Last gelegt. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" berichtete von neuen Kämpfen im Norden des Südsudans, die seit Ende April eskalierten. Auch dort gingen Bewaffnete bewusst gegen die Zivilbevölkerung vor. Gesundheitseinrichtungen würden angegriffen, Nahrungsmittelvorräte geplündert. Tausende Menschen seien in den Busch geflohen und harrten dort ohne Hilfe aus.

Der erst seit 2011 unabhängige Südsudan ist eines der ärmsten Länder der Welt. 1,8 Millionen der rund zwölf Millionen Südsudanesen sind laut UN ins Ausland geflohen. Fast die gesamte Bevölkerung im Land ist auf humanitäre Hilfe angewiesen.