Forderung nach Auflösung von äthiopischer Polizeieinheit

Menschenrechtler haben die Auflösung einer äthiopischen Polizeieinheit gefordert, die für den Tod Hunderter Menschen verantwortlich sein soll. Alleine in dieser Woche hätten Mitglieder der Liyu genannten Truppe die Häuser von 48 Familien des Oromo-Volkes in der Somali-Region in Brand gesetzt und die Bewohner vertrieben, erklärte die Ostafrika-Direktorin von Amnesty International, Joan Nyanyuki, am Donnerstag in Nairobi. "Die Liyu-Einheiten müssen sofort aufgelöst und durch reguläre Polizeitruppen ersetzt werden", forderte Nyanyuki.

Der Vorfall in dieser Woche ist ihr zufolge kein Einzelfall. Nur eine Woche zuvor seien die Polizisten mit gleicher Willkür gegen 50 Familien im Osten der Oromia-Region vorgegangen und hätten deren Häuser in Brand gesetzt. Fünf Bauern seien dabei getötet worden. Die Liyu-Einheit, die offiziell gegen Terroristen vorgehen soll, sei zudem für die Vertreibung von mehr als einer Million Oromo und Hunderte Tote im Jahr 2017 verantwortlich. Nyanyuki forderte eine Aufklärung aller Vorfälle und ein umgehendes Ende von staatlich sanktionierter Gewalt in der Region.



Äthiopiens neuer Premierminister Abiy Ahmed, selbst Oromo, hat in Äthiopien die Hoffnung auf eine Öffnung des autoritär geführten Landes genährt. Seit seinem Amtsantritt Ende März hat er sich wiederholt mit Oppositionellen getroffen und ihnen mehr Freiheiten zugesichert. Sein Vorgänger Hailemariam Desalegn war nach mehr als drei Jahren Unruhen mit Hunderten Toten zurückgetreten. Die Meinung darüber, ob Abiy das ostafrikanische Land mit seinen autoritären Politikstrukturen tatsächlich reformieren will oder nur die Lage befrieden soll, gehen auseinander.