Solingen-Gedenken bleibt Auftrag für alle

Solingen

Foto: Roland Scheidemann/dpa

Vor dem abgebrannten Haus bekundeten türkische und deutsche Bürger vor 25 Jahren ihr Entsetzen. "Es ist beschämend, dass auch heute noch viele, die selbst oder deren Eltern und Großeltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, Diskriminierungen im Alltag erfahren", sagte Außenminister Maas.

Solingen-Gedenken bleibt Auftrag für alle
25 Jahre nach dem rechtsextremistischen Brandanschlag in Solingen hat Außenminister Heiko Maas (SPD) zum Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. "Es ist beschämend, dass auch heute noch viele, die selbst oder deren Eltern und Großeltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, Diskriminierungen im Alltag erfahren", sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), riefen zu mehr gesellschaftlichem Engagement gegen Rassismus auf. Bei dem Brandanschlag von vier jungen Männern mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene waren am 29. Mai 1993 fünf türkische Mädchen und Frauen im Alter von vier bis 27 Jahren getötet worden, acht Menschen wurden schwer verletzt.

Heiko Maas
Maas betonte, türkische Zuwanderer seien in Deutschland nicht nur willkommen, sondern "ein Teil unseres Landes". Das Andenken an die Toten von Solingen bleibe "ein Auftrag für uns alle - nicht zu vergessen, nicht wegzusehen und nicht zu schweigen", erklärte der Minister, der am Dienstag an einer Gedenkfeier in Solingen teilnehmen will. Er rief dazu auf, jeden Tag aufs Neue für Toleranz, Vielfalt und Mitmenschlichkeit in Deutschland und in der Welt einzutreten. Die schreckliche Tat bleibe "ein Angriff auf uns alle, auf unsere Werte und unser friedliches Zusammenleben", sagte Maas.

Widmann-Mauz fordert Null-Toleranz-Kultur

Widmann-Mauz (CDU) erklärte, von Solingen müsse auch heute ein klares Signal ausgehen, "dass wir nicht nachlassen im Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus, dass wir gemeinsam für die Vielfalt in unserem Land eintreten". Notwendig sei eine Kultur des Widerspruchs, wenn Menschen diskriminiert und abgewertet würden, sagte sie der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "Wir brauchen eine Kultur von null Toleranz, wenn Menschen angegriffen werden."

Barley bezeichnete den Anschlag von Solingen als Symbol für Hass und Menschenfeindlichkeit. "Es ist beschämend, dass auch 25 Jahre danach Menschen in Deutschland immer noch wegen ihrer Herkunft, Religion oder ihrer sexuellen Orientierung bedroht und angegriffen werden", sagte sie dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Damit dürften sich die Politik und die gesamte Gesellschaft nicht abfinden.

Die Flüchtlingshilfeorganisation Pro Asyl und die Amadeu Antonio Stiftung erklärten, die Katastrophe von Solingen dürfe sich nicht wiederholen. Die Bundesregierung dürfe heute nicht erneut den Fehler machen, auf eine "massive rassistische Stimmungsmache im Land mit politischen Zugeständnissen zu antworten, die rechten Gewalttätern ein Gefühl der Legitimität geben", erklärten die Organisationen in Frankfurt am Main.

Mevlüt Cavusoglu

Bei den offiziellen Gedenkveranstaltungen in Solingen wollen Maas und sein türkischer Kollege Cavusoglu als Redner auftreten. Zuvor sollen in Düsseldorf bei der Gedenkfeier des Landes Nordrhein-Westfalen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) und der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sprechen. An der Veranstaltung nimmt außerdem das Ehepaar Mevlüde und Durmus Genc teil, das bei dem Anschlag 1993 fünf Familienmitglieder verlor.

Meldungen

Top Meldung
Der rheinische Präses Thorsten Latzel
Der rheinische Präses Thorsten Latzel begibt sich vom 6. bis 13. Juli mit einem E-Bike auf eine Radtour durch das Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die "Sommertour der Hoffnung" führt von der Saarbrücker Ludwigskirche zum Weseler Willibrordi-Dom.