Deutscher Katholikentag in Münster eröffnet

Katholikentag Münster

Foto: epd-bild/Stefan Arend

Deutscher Katholikentag in Münster eröffnet
Mit einem Appell zu mehr Einsatz für den Frieden ist am Mittwoch in Münster der 101. Deutsche Katholikentag eröffnet worden. Der 101. Katholikentag steht unter dem Motto "Suche Frieden". Das thematische Spektrum der mehr als 1.000 Veranstaltungen reicht von Fragen der Religiosität bis hin zu Klimaschutz und Flucht.

Mehr als 50.000 Menschen haben den Angaben zufolge Dauerkarten, hinzu kommen bereit jetzt schon rund 20.000 Tagesteilnehmer. 

Die Veranstalter des Katholikentages haben sich "mehr als zufrieden" mit dem Beginn des Laientreffens in Münster gezeigt. Zur Eröffnungsfeier auf dem Domplatz am Mittwochabend kamen 18.000 Menschen zusammen, wie der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, am Donnerstag sagte. Am anschließenden Abend der Begegnung seien 30.000 Menschen gezählt worden. Der Katholikentagsbeauftragte des Bistums Münster, Klaus Winterkamp, sagte, die Besucherzahl sei überwältigend.

Steinmeier wünscht sich "weiteres ökumenisches Zusammenwachsen"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Katholiken und Protestanten zu weiterem Bemühen um die Ökumene auf: "Lassen Sie uns Wege suchen, den gemeinsamen christlichen Glauben auch durch gemeinsame Teilnahme an Abendmahl und Kommunion zum Ausdruck zu bringen", forderte der Bundespräsident bei der Eröffnung des Katholikentages.

"Nicht als Bundespräsident, sondern als bekennender evangelischer Christ, der in einer konfessionsverschiedenen Ehe lebt, darf ich hinzufügen, was ich in Rom auch dem Papst sagen konnte: Ich bitte um die Offenheit für weiteres ökumenisches Zusammenwachsen", sagte er laut Redemanuskript vor Tausenden Gläubigen auf dem Domplatz. Zuletzt hatte die Frage, ob protestantische Ehepartner zur Kommunion zugelassen werden sollen, innerhalb der katholischen Kirche für Kontroversen gesorgt.

Die Sehnsucht nach dem Gemeinsamen sei nun auch bei den Kirchenleitenden angekommen, sagte die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, mit Blick auf Vereinbarungen der evangelischen Landeskirchen mit katholischen Bistümern. "Aber ausgerechnet am Tisch des Herren, da mussten wir uns trennen", sagte Kurschus am Donnerstag. Der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, äußerte Verständnis für den Wunsch nach der Öffnung des Abendmahls. "Wir wissen, was vielfach in Deutschland praktiziert wird. Da haben wir keine Illusionen", sagte er. Für viele Katholiken sei dies aber ein sehr schmerzliches und sensibles Thema.

Aus für Iran-Atomabkommen wäre Tragödie für Diplomatie

Den angekündigten Ausstieg der USA aus dem Nuklearabkommen mit dem Iran bezeichnete Steinmeier als "schweren Rückschlag" für die Friedensdiplomatie. "Ein langfristiger Friede im Mittleren Osten ist mit der gestrigen Entscheidung des amerikanischen Präsidenten, einseitig aus dem Iran-Abkommen auszusteigen, jedenfalls nicht wahrscheinlicher geworden", erklärte der ehemalige Außenminister. In der ohnehin spannungsgeladenen Region seien nun mehr Konfrontation und Unberechenbarkeit zu erwarten.

Zugleich warb Steinmeier dafür, sich mit den anderen beteiligten Mächten für einen Fortbestand des Abkommens einzusetzen, wozu neben europäischen Staaten auch Russland und China zählen. "Die Europäer müssen notwendigerweise mit den verbleibenden Mächten sprechen", forderte der ehemalige Bundesaußenminister. Was die Erfolgschancen für den Fortbestand des Abkommens anbelangt, äußerte sich Steinmeier zurückhaltend. Es sei zu prüfen, ob die anderen beteiligten Staaten ihre Verpflichtungen auch ohne die USA erfüllen könnten. Die wirtschaftliche Stabilisierung des Irans hänge jedoch maßgeblich von den Auswirkungen der US-Sanktionen ab.

Steinmeier sprach sich in einer Diskussion mit dem Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler zudem dafür aus, den kulturellen Austausch mit Nordamerika zu verstärken. Er warb dafür, "unsere eigene Politik nicht nur von der Bewertung der gegenwärtigen amerikanischen Administration abhängig zu machen" und ermutigte Deutschland dazu, weiter Verantwortung in der Weltpolitik zu übernehmen.

Bischof Genn ermutigt zum Einsatz für lebenswerte Zukunft

Auch der Bischof des gastgebenden Bistums Münster, Felix Genn, kritisierte die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch den US-Präsidenten Donald Trump als "verheerendes Signal". Damit setze der US-Präsident seine unberechenbare Politik fort. Christen dürften an den weltweiten Kriegs- und Konfliktsituationen jedoch nicht verzweifeln, sondern müssten die Friedensbewegung wieder sichtbarer und präsenter machen, erklärte der Münsteraner Bischof.

Genn rief außerdem zur Gestaltung der Welt auf. "Christinnen und Christen sind eingespannt in den Aufbau eines Reiches, das nicht mit irdischen Mitteln zu bewältigen ist", sagte Genn bei einer zentralen Eucharistiefeier zu Christi Himmelfahrt. Durch Geisteskraft könnten die Gläubigen "mit dem Auferstandenen für Frieden, Gerechtigkeit, Einheit, für eine lebenswerte Zukunft sorgen", sagte der Bischof des gastgebenden Bistums auf dem Schlossplatz der westfälischen Stadt vor Tausenden Besuchern in seiner Predigt.

Zur Arbeit am Reich Gottes gehöre die Suche nach Frieden, erklärte Genn. Zugleich äußerte er die Hoffnung, "dass wir durch die Anregungen, Diskussionen und Begegnungen dieser Tage befähigt werden, tiefer zu entdecken, was unser Auftrag und unsere Sendung ist, im Heute in uns selbst, in unserer Umgebung, in unseren Gemeinden, in unserer Gesellschaft und für die Welt den Frieden zu suchen". Das fünftägige Treffen der katholischen Laien steht in diesem Jahr unter dem Motto "Suche Frieden".

Ein beachtenswertes Symbol der Gewaltfreiheit sehe er in der Dessauer Friedensglocke, sagte Genn. Die Friedensglocke ist für ein halbes Jahr in Münster zu sehen. Sie war aus Überresten etlicher Schusswaffen der Nationalen Volksarmee der DDR gegossen worden. "Welche Waffen könnten wir hier in Münster zerstören und damit den Frieden einläuten? Das ist die Aufgabe, die uns der Katholikentag, und zwar jedem Einzelnen von uns, stellt." Nach der Eucharistiefeier nahm das Christentreffen seine inhaltliche Arbeit auf.

Verhältnis von Staat, Kirche und Religion

Papst Franziskus erklärte in einem Grußwort aus Rom, es gebe derzeit kein wichtigeres Thema in der öffentlichen Debatte über Religion als das Problem von Fanatismus und Gewaltbereitschaft. "Wir können beobachten, dass im familiären Bereich, an Arbeitsplätzen, in Vereinigungen, in Stadtteilen, Regionen und Nationen sowie überall dort, wo der Mensch als solcher nicht als eine Gabe Gottes angenommen wird, Unfriede, Missgunst und Hass zutage treten", so das Kirchenoberhaupt: "Meine große Sorge gilt den Menschen, besonders den Kindern und Jugendlichen, die wegen Krieg und Gewalt in ihrem eigenen Land zur Flucht gezwungen sind, um ihr Leben zu retten. Sie klopfen bei uns an mit der Bitte um Hilfe und Aufnahme."

Zum Auftakt des Katholikentages in Münster forderten die Veranstalter mehr soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Der Katholikentag wolle zudem ein Zeichen gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit setzen, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollen zahlreiche Bundesminister auf Podien des Katholikentages sprechen.

Schwerpunkte bei den Veranstaltungen des Katholikentags sind laut Sternberg das Verhältnis von Staat, Kirche und Religion sowie der Dialog der Religionen. Kein Staat könne den inneren Frieden dauerhaft bewahren, wenn er sein Verhältnis zu den Religionsgemeinschaften und Gläubigen nicht geklärt habe, sagte der ZdK-Präsident. Mit Spannung erwartet wird der Auftritt des AfD-Politikers Volker Münz, dessen Einladung zu dem Christentreffen bereits seit Wochen kontrovers diskutiert wird.  Nach der Amokfahrt eines 48-jährigen Mannes am 7. April in der Münsteraner Altstadt mit vier Toten spielt das Thema Sicherheit eine besondere Rolle bei dem Christentreffen.

Chance für die Gesellschaft

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht in der Bewältigung der Flüchtlingskrise auch Chancen für die Gesellschaft. Die Situation mit so vielen Flüchtlingen sei eine sehr große Herausorderung gewesen, sagte Spahn in Münster. "Wenn wir es richtig machen, ist jedoch auch eine Chance, einiges neu zu starten." Als Beispiele nannte der Minister das Gesundheitssystem und Schulen.

Auf den großen Anstieg der Flüchtlingszahlen in so kurzer Zeit sei niemand in Deutschland vorbereitet gewesen, sagte Spahn weiter. Das habe alle Lebensbereiche vor massive Herausforderungen gestellt. Ohne die vielen Ehrenamtlichen, die sich engagiert hätten, wäre das nicht gelungen.

Der Präsident des Caritasverbandes, Peter Neher, warnte davor, die Integrationsdebatte von dem geringen Teil an kriminellen Migranten beherrschen zu lassen. Sicherheitsfragen seien wichtig, sie dürften jedoch nicht die Debatte über Integration bestimmen. Damit werde den Menschen, die hierzulande eine Heimat suchten, vorrangig das Gefühl vermittelt, es gehe ausschließlich um Sicherheit. Das hintertreibe die Bemühungen zur Integration.

Das Thema Frieden hat im Jahr 2018 eine besondere Bedeutung: Vor 400 Jahren begann der verheerende Dreißigjährige Konfessionskrieg. Die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück 1648 beendeten die militärischen Auseinandersetzungen und schufen ein neues Gleichgewicht zwischen den europäischen Großmächten. Und 100 Jahre ist es her, dass der Erste Weltkrieg sein Ende fand.

Seit 1930 hat kein Deutscher Katholikentag mehr in Münster stattgefunden. Katholikentage werden vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in der Regel alle zwei Jahre an wechselnden Orten veranstaltet. Der 100. Deutsche Katholikentag fand 2016 in Leipzig statt, 2014 trafen sich die katholischen Laien in Regensburg, 2012 in Mannheim. Zuletzt in Leipzig waren 34.000 Dauer- und 6.000 Tagesgäste zusammengekommen.

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