Vertrag zu Islam-Institut an Berliner Uni geplatzt

Muslimische Studentin an einer Universität

Foto: kanchitdon/stock.adobe

An der Berliner Humboldt-Universität soll der Studienbetrieb am Institut für Islamische Theologie zum Wintersemester 2019/20 aufgenommen werden.

Vertrag zu Islam-Institut an Berliner Uni geplatzt
Die Gründung eines Islam-Instituts an der Berliner Humboldt-Universität (HU) ist weiter ungewiss.

Vier von insgesamt fünf islamischen Verbänden haben die Unterzeichnung des Gründungsvertrags platzen lassen. Lediglich die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands habe die Institutsgründung per Unterschrift unterstützt, sagte ein Universitätssprecher am Dienstag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Verbände Ditib, Islamische Föderation Berlin, Zentralrat der Muslime in Deutschland sowie der Verband der Islamischen Kulturzentren verzichteten auf eine fristgemäße Vertragsunterzeichnung bis zum 1. April 2018. Eine Begründung dafür liege der Hochschule nicht vor, sagte der Sprecher.

An der Gründung des Islam-Instituts an der Humboldt-Universität soll dennoch unvermindert festgehalten werden. "Für uns steht fest, dass ein Institut für Islamische Theologie an der HU von äußerster wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz ist", sagte HU-Präsidentin Sabine Kunst am Dienstag. Die Freiheit der Wissenschaft sei hierbei für die Humboldt-Universität maßgebend. "Der mit den Verbänden verhandelte Kooperationsvertrag sichert dies ab und gibt gleichzeitig den Verbänden ein hohes Maß an Beteiligung und Mitbestimmung. Daher werden wir weiter an der Gründung des Instituts auf Basis der bisherigen Verhandlungen festhalten."

Die Humboldt-Universität prüfe nun Optionen für das weitere Vorgehen. "Mit der Senatskanzlei beraten wir jetzt über die dazu notwendigen Schritte", betonte Kunst. Wie der epd weiter erfuhr, hat Berlins Forschungsstaatssekretär Steffen Kracht (SPD) nach den geplatzten Vertragsverhandlungen die Islam-Verbände zu einem klärenden Gespräch eingeladen. Die Grünen forderten unterdessen einen Neustart für die Institutsgründung.

Wie der HU-Sprecher weiter betonte, werde am bisherigen Zeitplan zur Instituts-Gründung zunächst festgehalten. Danach sollte an der Berliner Humboldt-Universität der Studienbetrieb am Institut für Islamische Theologie zum Wintersemester 2019/20 aufgenommen werden. Die erste Berufungsliste sollte frühestens im Herbst fertig sein. Vorgesehen sind sechs Professuren und zwei Nachwuchsgruppen. Zuvor war es bereits zu Verzögerungen gekommen. Ursprünglich sollte das Islam-Institut bereits in diesem Herbst starten.

Mehr zu Islam in Deutschland
Claudia Keller, stellvertretende Chefredakteurin von chrismon
In Köln dürfen Moscheen freitags öffentlich zum Gebet rufen. Das gebietet die Religionsfreiheit, kommentiert Claudia Keller von chrismon.
Henriette Reker beim Tag der offenen Moschee am 03.10.21, in der DITIB Zentralmoschee in Ehrenfeld. Koeln, 03.10.2021
Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat das Pilotprojekt verteidigt, Gebetsrufe von Moscheen unter Auflagen zuzulassen. Sie reagierte damit auf die kontroverse Diskussion in den sozialen Netzwerken.