Hilfsorganisationen schlagen zum Weltwassertag Alarm

Mehr als 840 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.

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Mehr als 840 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, täglich sterben deshalb Tausende Kinder.

Hilfsorganisationen schlagen zum Weltwassertag Alarm
Mehr als 840 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, täglich sterben deshalb Tausende Kinder: So fielen rund 1.500 Mädchen und Jungen unter fünf Jahren jeden Tag Durchfallerkrankungen zum Opfer, die mit sauberem Trinkwasser und Zugang zu sanitären Einrichtungen verhindert werden könnten, erklärte die Hilfsorganisation "terre des hommes" zum Weltwassertag an diesem Donnerstag.

"Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Wasserleitungen oder sauberen Brunnen. Sie sind darauf angewiesen, ihren Bedarf an Wasser durch Seen, Bäche oder Flüsse zu decken", sagte Kinderrechte-Referent Jonas Schubert am Mittwoch. "Diese sind jedoch immer häufiger nicht nur durch Fäkalien verseucht, sondern auch durch Chemikalien, Arzneimittel, Pestizide und Schwermetalle wie Arsen, Zyanid oder Blei." Und Kinder seien besonders anfällig für schädliche Substanzen, weil die Organe noch wachsen und das Immunsystem noch im Aufbau ist.

Schon heute litten 1,9 Milliarden Menschen weltweit unter sogenanntem Wasserstress, betonte das Forum Umwelt und Entwicklung, einem Bündnis aus Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. 2030 seien es voraussichtlich drei Mal so viele. Auch Deutschland importiere praktisch Wasser in Form von landwirtschaftlichen Produkten und Industrierohstoffen aus Regionen, die unter Wasserstress leiden. Bürger eines demokratischen Rechtsstaats dürften aber erwarten, durch den Konsum nicht zu Wasserraub-Komplizen zu werden, erklärte Helge Swars vom Weltfriedensdienst. Daher sei die Bundesregierung in der Pflicht, zumindest für Transparenz über die Herkunft von Konsumgütern und Lieferketten zu sorgen.

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Äthiopien: Der weite Weg zur Wasserstelle

Wasserstelle von Dalabi

Foto: Christoph Gödan

Wasserstelle von Dalabi

Foto: Christoph Gödan

Die Wasserstelle von Dalabi, 80 Kilometer nordöstlich von Mieso gelegen, ist die einzige in einem weiten Umkreis, die noch ausreichend Wasser führt. Tausende Tiere werden hier täglich getränkt. Viele der Hirten sind hierher bis zu einem Tag lang in sengender Hitze unterwegs.

Hirte mit Kalaschnikow

Foto: Christoph Gödan

Dieser Kuhhirte ist auf dem Weg zur Wasserstelle bei Dalabi. Bereits am frühen Morgen ist er aufgebrochen, um sie gegen Mittag mit seinen etwa 30 abgemagerten Rindern zu erreichen. Der junge Mann trägt, wie üblich in dieser Region, eine Kalschnikow bei sich, auch um die immens wertvolle Herde vor Dieben zu beschützen. Beim Stamm der Somalis bekommen Jungen, die ins Mannesalter übergehen, von ihrem Vater eine Kalaschnikow geschenkt.

Wasserstelle von Mieso

Foto: Christoph Gödan

Morgendliche Versammlung an einer Wasserstelle 40 Kilometer westlich von Mieso. Äthiopien erlebt aktuell eine der schwersten Dürren der vergangenen 30 Jahre. Zwar hat es jüngst in den Gebieten Afar, Somali und Oromia hier und da geregnet, doch diese Regenfälle kommen zu spät für die unzähligen Kleinbauern, denn viele der Nutztiere sind bereits verendet. Die ausgetrockneten Felder verwandeln sich nur für kurze Zeit in Schlammwüsten und die Wassermassen tragen Saatgut und Anpflanzungen von der Oberfläche ab.

Frauen an der Wasserstelle von Kurifasawa

Foto: Christoph Gödan

Bei Kurifasawa füllen Frauen und Mädchen unzählige Kanister mit Wasser ab, um diese auf Eseln nach Hause zu transportieren. Selten sind Männer zu sehen, die diesen beschwerlichen Transport vornehmen.

Auf dem Weg zur Wasserstelle von Afdem

Foto: Christoph Gödan

Schon den ganzen Tag sind diese drei Frauen mit ihren Kindern und Eseln zu einer Wasserstelle bei Afdem unterwegs. Die von der Regierung vorsorglich angelegten Getreidespeicher und das Viehfutter sind längst aufgebraucht. Niemand hatte erwartet, dass das Wetterphänomen "El Niño" dieses Mal so extrem ausfällt. Doch das sind nur einige der Faktoren, die Äthiopien nun tiefer in eine humanitäre Katastrophe stürzen lassen.

Nuran Seid

Foto: Christoph Gödan

Nuran Seid ist Ortsvorsteher von Kurikuraiya, einem Dorf, das im Hochland 80 Kilometer südwestlich von Asebe Teferi in 1400 Meter Höhe liegt. Er ist auch verantwortlich für die Wasserversorgung. Dort, im Hochland, regnet es zwar häufiger und es ist auch kühler, aber die Wasserversorgung ist auch hier katastrophal. Viele Familien bauen hier die finanziell lukrative Droge Khat an, die im Gebirge wesentlich besser gedeiht, jedoch viel Wasser benötigt. Offiziell ist Khat verboten, aber mit dem Export nach Somalia, Somaliland, Kenia und Jemen generiert die Regierung trotzdem immense Steuereinnahmen. Das Strauchgewächs bedarf keiner Weiterverarbeitung. Die Blätter werden frisch im Mund zerkaut, der Wirkstoff Cathinon ähnelt dem Amphetamin in der Droge Speed. Etwa 70% der Männer in Ostafrika und dem Jemen nehmen die hungerunterdrückenden und euphorisierenden Blätter zu sich, deren Konsum allerdings nach ein paar Jahren schlicht zur Verblödung führt.

Marktplatz von Mieso

Foto: Christoph Gödan

Auf dem Marktplatz von Mieso verteilt die amerikanische Hilfsorganisation US-AID täglich Lebensmittel an Bedürftige. Nach Schätzungen der UN sind rund 18 Millionen ÄthiopierInnen von Hunger bedroht, da die notwendige Hilfe der Weltgemeinschaft für viele Regionen, in denen die Dürre im Prinzip schon seit Jahren ein Dauerzustand ist, nicht mehr rechtzeitig und ausreichend ankommen wird. Schuld hieran ist auch die kaum vorhandene Berichterstattung in den Medien. Vor allem in Deutschland wird diese Katastrophe vom Dauerthema "Flucht nach Europa" überlagert. Dabei gibt es hier doch einen unmittelbaren Zusammenhang.

Lebensmittelversorgung in Mieso

Foto: Christoph Gödan

Ein örtlicher Mitarbeiter in Mieso notiert die Rationen der täglichen Lebensmittelversorgung, wie Mais, Öl und Getreide, an die Hilfsbedürftigen auf dem Marktplatz von Mieso. Sicher ist "El Niño" die Hauptursache des Versorgungsnotstandes, doch auch die seit Jahren überfälligen Reformen in der Landwirtschaft wurden von der Regierung nicht angegangen. Es fehlt so ziemlich an allem: an Fachwissen, Kapital, hochwertigem Saatgut und dem Zugang zu Märkten, die den Kleinbauern so viele Einkünfte bescheren würden, dass diese zumindest kleine Reinvestitionen tätigen könnten.

Bahnstrecke Addis Abeba - Djibouti

Foto: Christoph Gödan

Für über drei Milliarden Dollar ließ die Regierung die 656 Kilometer lange Bahnstrecke Addis Abeba - Djibouti von der China Railway Group errichten, um die Wirtschaft des Binnenlandes anzukurbeln und einen sicheren Zugang zum Seehandel zu gewährleisten. Etlichen Menschen hat diese Bahnstrecke das Leben gerettet, denn bereits im Herbst 2015 wurden erste Hilfslieferungen per Zug aus Djibouti in die Dürregebiete von Somali und Oromia transportiert.

Der Fotograf: Christoph Gödan

Foto: privat

Der Fotograf Christoph Gödan hat die Regionen Oromia und Somali bereist und erlebt, dass viele der "humanitären Hotspots", wie sie von Regierungsstellen bezeichnet werden, in den entlegenen Gebieten nicht mehr rechtzeitig versorgt werden können. Der Reportagefotograf lebt in Osnabrück und wird vertreten durch die Agentur laif.

"Wasser ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht", betonte das Bündnis. Mehr als 840 Millionen Menschen weltweit haben nach Angaben des Weltwasserrats, der derzeit in Brasilia tagt, keinen Zugang zu angemessenen Trinkwasseranlagen. Frauen und Mädchen verbrächten täglich 200 Millionen Stunden damit, Wasser zu beschaffen. 2,3 Milliarden Menschen hätten ferner keinen Zugang zu einer Toilette. "Auf der ganzen Welt haben mehr Menschen Handys als Toiletten", erklärte der Schauspieler und Aktivist Matt Damon auf dem Forum, bei dem Wassersicherheit für die nächsten Jahre im Brennpunkt steht.

Der Weltwasserrat rief alle Regierungen dazu auf, Wasser zur obersten Priorität zu machen. "Regierungen müssen die Wassersicherheit in allen Sektoren in den Mittelpunkt ihrer nationalen Entwicklungsstrategien stellen und alle Interessengruppen einbeziehen", erklärte der Präsident der Organisation, Benedito Braga, in Brasilia.

"Brot für die Welt" plädierte in Brasilia dafür, die UN-Nachhaltigkeitsziele zur Richtschnur beim Umgang mit der knappen Ressource Wasser zu machen. Vor allem in Ländern wie Brasilien, aus denen Deutschland große Mengen an Agrargütern importiere und damit den Wasserverbrauch fördere, dürften Menschen nicht im Streit um Wasser vertrieben oder in die Armut getrieben werden. "Agrar- und Lebensmittelkonzerne, die großen Einfluss auf dem Weltwasserforum haben, dürfen beim Zugang zu Wasser nicht bevorteilt werden", betonte Referentin Andrea Müller-Frank.

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