Buchmesse: Publizisten rufen zu gemäßigtem Umgang mit Rechten auf

Buchmesse: Publizisten rufen zu gemäßigtem Umgang mit Rechten auf
Die Leipziger Buchmesse präsentiert sich weiter politisch. Am Samstag zeigte sich das in einer Debatte zum richtigen Umgang mit rechten Positionen. Für die Studentenbewegung von 1968 schickte Rudi Dutschkes Witwe Gretchen eine Spitze an die AfD.

Politische und gesellschaftliche Debatten haben auch den dritten Tag der Leipziger Buchmesse begleitet. Mehrere Publizisten forderten Gesellschaft und Medien am Samstag zu einem nüchternen Umgang mit rechten Publizisten und deren Schriften auf. Die ehemalige 68er-Aktivistin Gretchen Dutschke schickte eine Kampfansage an die AfD. Auf der Buchmesse präsentieren sich seit Donnerstag und noch bis Sonntag mehr als 2.600 Aussteller aus 46 Ländern. 

Die Publizistin Liane Bednarz rief in einer Debatte zur Mäßigung im Umgang mit rechten Positionen auf. "Mein Plädoyer ist, sachlich, präzise und nicht hysterisch zu sein", sagte sie. Sie selbst sei "am Anfang ziemlich strikt für Ausgrenzung" gewesen. "Ich halte das inzwischen für grundfalsch", sagte die Journalistin. Nachdem die Auseinandersetzung über Jahre "extrem konfrontativ" gewesen sei, glaube sie nun, dass es ohne Dialog nicht gehe. Bei rassistischen Äußerungen und persönlichen Beschimpfungen sei aber eine Grenze erreicht. 

Der Hamburger Journalist Andreas Speit warb für eine sachliche, inhaltlich "knallharte Berichterstattung ohne Dramatisierung". Wichtig sei ein differenzierter Blick auf die jeweiligen Akteure. Nicht jeder, der sich rechtspopulistisch äußere, dürfe sofort in dieselbe rechte Ecke gestellt werden.


Entscheidend sei, sich neben radikalen Rechten auch "mit den Ressentiments in der Mitte der Gesellschaft" auseinanderzusetzen, fügte Speit hinzu. "Wir müssen noch eine viel härtere Debatte führen, was ist eigentlich noch konservativ und was ist schon zu weit rechts." Dieser Aspekt sei in den letzten Jahren zu kurz gekommen. 

Der Verleger Christoph Links sagte, beim "Schreiben gegen Rechts" sei es wichtig, "dass man die Dinge argumentativ auseinandernimmt". Mit Blick auf umstrittene Äußerungen des Schriftstellers Uwe Tellkamp zur Flüchtlingspolitik sagte Links, es gebe eine "feine Unterscheidung zwischen Meinungsäußerungen und falschen Tatsachen, die man in die Welt setzt". Hier müssten Publizisten "sofort argumentativ dagegenhalten". 
Links bezog sich auf Tellkamps Aussage bei einer Diskussion mit dem Autoren Durs Grünbein am 8. März, wonach 95 Prozent der Migranten nicht vor Krieg und Verfolgung flöhen, sondern in deutsche Sozialsysteme einwandern wollten.

Die Debatte auf der Buchmesse wurde mehrfach durch Zwischenrufe aus einer Gruppe um den rechten Verleger Götz Kubitschek und seine Frau Ellen Kositza gestört. Kubitschek rief, es gebe auf der Buchmesse "20 Podien über uns, kein einziges mit uns". Kositza rief in Richtung Bühne, sie "höre immer nur 'Dialog auf Augenhöhe', aber er findet niemals statt".

Dutschke: Gegen AfD kämpfen

Die ehemalige Aktivistin Gretchen Dutschke rief bei einer Buchvorstellung zur Verteidigung des Erbes der Studentenbewegung von 1968 auf. Wenn die AfD fordere, Errungenschaften der 68er rückgängig zu machen, wolle sie "im Grunde zurück zu einem autoritären Staat, der aus der Nazigesellschaft kam", sagte die Witwe von Studentenführer Rudi Dutschke. "Das wollen wir nicht und dagegen müssen wir kämpfen", betonte die 76-Jährige.

Rudi Dutschke gilt als einer der wichtigsten Anführer der Studentenbewegung der 60er Jahre in Westdeutschland und West-Berlin. Am 11. April 1968 wurde der damals 28-Jährige bei einem Attentat schwer verletzt. Er starb elf Jahre später an den Folgen des Angriffs.

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