KZ-Gedenkstätte zeigt Ausstellung über evangelische Häftlinge

KZ-Gedenkstätte zeigt Ausstellung über evangelische Häftlinge
Die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen würdigt die protestantischen Häftlinge, die zwischen 1936 und 1945 in dem Konzentrationslager inhaftiert waren, mit einer Ausstellung. Unter dem Titel "Religion: Evangelisch" werden Biografien von 15 Männern vorgestellt, darunter auch von zwei SS-Angehörigen, die aktive Mitglieder der evangelischen Kirche waren, teilte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten am Freitag in Oranienburg mit.

Die in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erarbeitete Wanderausstellung wird am Sonntag, dem 18. März, eröffnet und ist bis zum 27. Mai zu sehen. Danach wird sie in Einrichtungen der evangelischen Kirche gezeigt. Zur Eröffnung wird auch der 93-jährige Klaus Reichmuth erwartet, der 1942 als Gymnasiast zusammen mit einem Mitschüler sechs Monate in Sachsenhausen inhaftiert war. Beide waren Söhne bekannter Pastoren in Stettin, die der Bekennenden Kirche angehörten.

Die Ausstellung veranschaulicht den Angaben zufolge auf 18 Schautafeln die Bandbreite der evangelischen Häftlinge, ihre soziale und nationale Herkunft, ihre politischen Motive sowie ihr religiöses und soziales Leben in Sachsenhausen.

Mehr zu Juliusz Bursche
Trauerfeier in Berlin
Während die aktuelle Politik Polens für viel Unverständnis auf dem politischen Parkett sorgt und den Diplomaten arbeitsame Wochen bevorstehen, ereignet sich in einer Berliner Friedhofskapelle ein kleines Wunder.
Andacht in der Friedhofskapelle für Juliusz Bursche
Ohne ihn gäbe es vielleicht keine evangelische Kirche mehr im unabhängigen Polen und bis heute wird er im Nachbarland verehrt: Juliusz Bursche starb vor 76 Jahren als Gefangener der Gestapo in Berlin. Erst vor kurzem wurde seine Grabstelle entdeckt.


Zu den prominenten evangelischen Häftlingen gehören der Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Juliusz Bursche, der führende Vertreter der NS-kritischen Bekennenden Kirche, Martin Niemöller, und der Jurist Friedrich Weißler, der als Mitverfasser einer an Hitler gerichteten Denkschrift der Bekennenden Kirche 1937 in Sachsenhausen ermordet wurde. Vorgestellt werden den Angaben zufolge auch weniger bekannte Schicksale wie das von Klaus Reichmuth und seinem Mitschüler Klaus Rendtorff sowie eines norwegischen und zweier niederländischer Pastoren.

Auch die Rolle der evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus und die historische Situation in der Stadt Oranienburg werden thematisiert, hieß es. Aus der Perspektive eines der führenden Vertreter der Bekennenden Kirche in Berlin und Brandenburg, des Sachsenhausener Pfarrers und späteren Bischofs Kurt Scharf, werde dabei insbesondere die Nähe von KZ, Kommune und Kirchengemeinde in den Blick genommen.

Dargestellt werde auch die Rolle von Hans Helwig, der 1937 und 1938 Kommandant des KZ Sachsenhausen war, hieß es weiter. Helwig, der ab 1927 Kirchenältester in seiner Heimatgemeinde im Schwarzwald war und bis 1942 der evangelischen Kirche angehörte, starb 1952 in seinem Geburtsort, ohne dass er sich jemals strafrechtlich für seine Tätigkeit in Konzentrationslagern verantworten musste.