Menschenrechtler warnen vor Massenexodus von Christen aus dem Nahen Osten

Christen im Irak

Foto: Teun Voeten/Reporters/laif

Die Sadt Hamadina im Nordirak war vorherrschend von Christen bewohnt, was das große Kreuz am Ortseingang bezeugt.

Menschenrechtler warnen vor Massenexodus von Christen aus dem Nahen Osten
Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnt vor einem Massenexodus von Christen aus dem Nahen Osten und anderen muslimischen Staaten.

"Nur in wenigen Staaten gibt es wie in Marokko Zeichen der Hoffnung, dass Christen mehr Religionsfreiheit eingeräumt wird. In Marokko engagieren sich Christen gemeinsam mit Juden, Sufis und Bahai öffentlich für die Durchsetzung ihrer Rechte", erklärte der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius, am Mittwoch in Göttingen.

Die Zahl der Christen im Irak und im Jemen sei bereits dramatisch zurückgegangen, betonte die Menschenrechtsorganisation: "Religionsfreiheit ist ein bedeutendes Menschenrecht und muss von allen Staaten rückhaltlos gewährt werden. Der interreligiöse Dialog ist hilfreich. Er ist jedoch keine Garantie dafür, dass sich Behörden in muslimisch dominierten Staaten nicht dem Druck radikaler Islamisten beugen und Christen in ihrer Religionsausübung behindern."

Lage im Irak besonders besorgniserregend

Besonders besorgniserregend sei die Lage der Christen im Irak. Dort sei in den Gebieten, die unter der Herrschaft der Zentralregierung stehen, die Zahl der Christen nach Einschätzung lokaler Beobachter seit 2015 von 275.000 auf 150.000 Gläubige zurückgegangen. Wie in vielen Staaten des Nahen Ostens litten Christen im Irak auch unter dem weltweiten Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten.

Auch in dem seit Jahren von Kämpfen zerrissenen Jemen seien Christen massiv unter Druck, erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker. "Bombardements, Flucht, Bürgerkrieg und das Erstarken islamistischer Ideologien haben dazu geführt, dass sich ihre Zahl von 40.000 Gläubigen im Jahr 2011 auf heute rund 3.000 verringert hat."

Mehr zu Christenverfolgung
Papst Franziskus zu Besuch im Irak
Papst Franziskus reist an diesem Freitag als erstes katholisches Kirchenoberhaupt in den Irak. Zum Nordirak, wo nur noch wenige Christen leben, hat die bayerische evangelischen Landeskirche seit Jahrzehnten eine enge Beziehung.
Weltverfolgungsindex 2021
Die Intensität der Christenverfolgung hat laut Open Doors im Corona-Jahr 2020 weltweit zugenommen. In vielen Ländern werden vor allem Menschen unterdrückt und diskriminiert, die von ihrer Ursprungsreligion zum christlichen Glauben übergetreten sind.

"In Pakistan erleben wir leider ebenfalls einen bedrohlichen Exodus von Christen. Sie suchen zu Tausenden Zuflucht im Ausland, um der wachsenden Bedrohung durch Islamisten zu entgehen. Mit großer Sorge beobachten wir, dass die pakistanischen Behörden vor der wachsenden Macht von Islamisten kapitulieren und den Christen den notwendigen Schutz meist verweigern", erklärte Delius.