Anti-Atomwaffen-Kampagne erhält Friedensnobelpreis

Überlebende des Atomwaffenabwurfs

Foto: dpa/kyodo

Die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" (Ican) ist am Sonntag mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Die Überlebenden des Atomwaffenabwurfs freuten sich über die Auszeichnung und feierten, als sie es erfuhren.

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Anti-Atomwaffen-Kampagne erhält Friedensnobelpreis
Die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" (Ican) ist am Sonntag mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" (Ican) ist am Sonntag mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.  Ican-Direktorin Beatrice Fihn und die Hiroshima-Überlebende Setsuko Thurlow nahmen den mit umgerechnet 945.000 Euro dotierten Preis bei einer feierlichen Zeremonie in Oslo entgegen. Das norwegische Nobelkomitee würdigte die Initiative für ihre "bahnbrechenden Bemühungen", ein Verbot nuklearer Waffen zu erreichen.

Die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, sagte, die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki im Zweiten Weltkrieg habe gezeigt, wie gefährlich Atomwaffen seien. Diese hätten so viel Qual und Tod verursacht, dass sie niemals wieder eingesetzt werden dürften. Es sei beeindruckend, dass Ican in der Lage gewesen sei, so viele verschiedene Gruppierungen im Kampf für ein weltweites Atomwaffenverbot zu erreichen. Allerdings sei das Engagement dafür nicht unumstritten: "Wir müssen erkennen, dass das Abkommen mächtige Gegner hat", unterstrich Reiss-Andersen.

Ican-Direktorin Beatrice Fihn sagte in ihrer Dankesrede, an Dutzenden Orten der Welt, sei es in Raketensilos unter der Erde, in U-Booten oder in Flugzeugen befänden sich 15.000 dieser Waffen zur Zerstörung der Menschheit. "Es ist Wahnsinn, zu erlauben, dass wir durch diese Waffen regiert werden", hob Fihn hervor. Die Weltgemeinschaft stehe vor einer klaren Entscheidung, entweder für ein Ende der Nuklearwaffen oder "vor unserem Ende", mahnte die Ican-Direktorin.

Zugleich rief Fihn insbesondere die neun Atommächte auf, der im Juli dieses Jahres beschlossenen Einigung von 122 UN-Mitgliedsstaaten für ein Atomwaffenverbot beizutreten. Ican war maßgeblich an der Verständigung im Sommer beteiligt. Die derzeit neun Atommächte und die Nato-Staaten, darunter Deutschland, boykottieren die Vereinbarung. Die Botschafter der Atommächte USA, Frankreich und Großbritannien hatten laut dem norwegischen Rundfunksender NRK bereits Tage zuvor angekündigt, der Verleihung des Friedensnobelpreises fernzubleiben.

Die 85-jährige Hiroshima-Überlebende Setsuko Thurlow, die den Atombombenabwurf der USA auf die japanische Stadt am 6. August 1945 als 13-Jährige miterlebt hatte, nannte es ein großes Privileg, den Friedensnobelpreis "stellvertretend für all jene bemerkenswerten Menschen" entgegenzunehmen, die Ican repräsentierten. "Ihr gebt mir unendlich große Hoffnung, dass wir die Ära nuklearer Waffen beenden können und werden." Thurlow rief den Tag des Atombombenabwurfs in Erinnerung: "Mit einer einzigen Bombe wurde meine geliebte Stadt ausgelöscht."

Der Grundstein für die ""Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" war im australischen Melbourne gelegt worden, ehe
Ican offiziell im April 2007 in Wien an den Start ging. Heute umfasst das Netzwerk mit Hauptsitz in Genf 468 Organisationen in rund 100 Ländern, darunter die "Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs" (IPPNW).

Der Friedensnobelpreis ist die höchste Auszeichnung für Friedensbemühungen weltweit. Gestiftet wurde er von dem schwedischen Chemiker und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896). Die Auszeichnung wird traditionell am 10. Dezember in Oslo überreicht, dem Todestag Nobels.

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