"Bibel muss für sich selbst sprechen"

"Bibel muss für sich selbst sprechen"
Heidelberger Theologe Trobisch verteidigt Konzept des Bibelmuseums in Washington
Wenn am Freitag (17. November 2017) in der US-Hauptstadt Washington das Bibelmuseum eröffnet wird, befürchten manche eine religiöse Einflussnahme auf die amerikanische Politik.
15.11.2017
epd
Christine Süß-Demuth

Es gebe jedoch "keinen missionarischen Hintergrund", auch wenn die 500 Millionen US-Dollar teure Einrichtung auf Initiative der einflussreichen evangelikal-konservativen Unternehmerfamilie Green errichtet worden sei, betonte der Sammlungsleiter des Museums, der deutsche Theologe David Trobisch, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Initiator und Financier des Projekts, Steve Green, wolle mit dem "Museum of the Bible", das in Laufweite von Capitol und Weißem Haus liegt, lediglich die Bibel seinen Landsleuten näherbringen. Für den Neutestamentler Trobisch, der in Heidelberg promoviert und habilitiert hat, ist die Bibel ein kultureller Gegenstand, der zurück in die Öffentlichkeit gebracht werden sollte. Im Museum soll es zudem um einen wissenschaftlichen Zugang zur Geschichte und den gesellschaftlichen Einfluss der Bibel gehen.

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"Wir sind offen für alle", sagte er. Kritiker seien ebenso willkommen wie evangelikale Christen, Katholiken, Juden oder Zeugen Jehovas. Niemandem werde eine bestimmte Interpretation aufgezwungen. "Niemand muss die Bibel mögen, die Bibel muss für sich selbst sprechen", sagte Trobisch, der in der Nähe von Heidelberg wohnt und die doppelte Staatsbürgerschaft hat.

Auf acht Etagen und rund 40.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden die Besucher nicht nur die erste in Nordamerika gedruckte Bibel, sondern auch Fragmente von Schriftrollen vom Toten Meer, mittelalterliche Gebetsmanuskripte, sowie Tora-Rollen betrachten können. Außerdem würden biblische Geschichten von Disney-Animateuren inszeniert und mit viel Action vermittelt werden.

 

Gezeigt würden nur Originale, sagte Trobisch, der tausende seltener religiöser und biblischer Texte und Artefakte des Museums kuratiert. Für die wissenschaftliche Auswertung arbeiten seine 30 Mitarbeiter mit 60 Universitäten weltweit zusammen, sagte der Wissenschaftler, der vor seiner Tätigkeit als Kurator an der renommierten Universität Yale lehrte.

 

Er kann aus insgesamt rund 200.000 biblischen Schriften und Artefakten auswählen, nicht nur aus der Green Collection, sondern auch von anderen Privatsammlern. Auch der Vatikan und die Israelische Antikenverwaltung haben Ausstellungsflächen in dem Museum.

 

Seit 2009 kauft Steve Green, dessen Familienvermögen auf rund fünf Milliarden US-Dollar geschätzt wird, biblische Artefakte, darunter sehr seltene und wertvolle biblische Stücke. Doch es gibt immer wieder Kritik an seiner Sammlung. So sollen manche Artefakte gefälscht, andere unrechtmäßig erworben worden sein.