Protestanten steuern auf Finale des Reformationsjubiläums zu

Luftbild einer von Menschen gehaltenen roten Ziffer 500 vor der Schlosskirche in Wittenberg, die auf das bevorstehende Reformationsjubiläum am 31.10.2017 hinweisen soll.

Foto: epd-bild / EKD

Eine von Menschen gehaltene rote 500 vor der Schlosskirche in Wittenberg soll auf das 500. Reformationsjubilaeum hinweisen.

Protestanten steuern auf Finale des Reformationsjubiläums zu
Der Zielstrich des Feiermarathons zu 500 Jahren Reformation kommt in Sichtweite. Unter dem Slogan "Du hast frei" geht die evangelische Kirche auf die letzten Meter - und bleibt in der Einschätzung ihrer Strahlkraft uneins.
Deutschland spricht 2019

Die Feiern zum 500. Reformationsjubiläum steuern auf ihren Höhepunkt zu. Das mit dem Reformationstag endende Festjahr habe zu "einer breiten Wahrnehmung des christlichen Glaubens in der Öffentlichkeit geführt", bilanzierte am Freitag der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Gerhard Ulrich. Am Dienstag jährt sich der überlieferte Thesenanschlag durch Martin Luther an die Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal.

Kritisch äußerte sich der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer, aus dessen Sicht die evangelische Kirche derzeit mit der christlichen Botschaft zu wenige Menschen erreicht. Schorlemmer sagte im "Morgenmagazin" des ZDF, die evangelische Kirche dürfe sich ihre "Resonanzkrise" durch die "schönen großen Veranstaltungen" im zu Ende gehenden Festjahr nicht schönreden. "Wir müssen den Menschen mehr klar machen, was wir zu sagen haben", forderte der evangelische Theologe, der in der DDR-Bürgerbewegung aktiv war. Nordkirchen-Bischof Ulrich indes erklärte als oberster Repräsentant der lutherischen Landeskirchen, viele Menschen hätten in den zurückliegenden Monaten das geistliche Anliegen der Reformation neu verstanden.

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, sagte in Berlin, überall dort, wo die Kirche vor die eigenen "mentalen und räumlichen Mauern getreten" sei und etwas Neues gemacht habe, habe es auch positive Rückmeldungen gegeben. Die Rückmeldungen seien wegen teils hinter den Erwartungen zurückgebliebener Teilnehmerzahlen zwar durchaus auch "realistisch-kritisch" gewesen, sagte Schwaetzer vor der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der sie ebenfalls angehört. Vieles sei jedoch als sehr gelungen wahrgenommen worden, darunter "neue Formate" wie Andachten an ungewöhnlichen Orten.

Das Festjahr zu 500 Jahren Reformation war am 31. Oktober 2016 eröffnet worden. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Slogan "Du hast frei"

Unter dem Slogan "Du hast frei" nimmt die evangelische Kirche Kurs auf den Höhepunkt des 500. Reformationsjubiläums. Ein bei Facebook verbreitetes Kurzvideo, in dem der Moderator Eckart von Hirschhausen und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, auftreten, stimmt ab dem Wochenende darauf ein, dass sich am Dienstag der Thesenanschlag durch Martin Luther an die Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal jährt. Einmalig ist der Reformationstag in diesem Jahr bundesweit ein Feiertag.

Der Slogan "Du hast frei" spielt zugleich darauf an, dass die Betonung von individueller Freiheit als eine zentrale Errungenschaft der Reformation gilt. Bedford-Strohm spricht in dem am Freitag veröffentlichten Video von einer "Weltbewegung", die von Wittenberg ausgegangen sei. "Wir nutzen Facebook, um unseren Gruß zum Reformationstag zu verbreiten und viele Menschen zu erreichen", sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, der im Rat der EKD für Medien zuständig ist: "Ich freue mich, dass Facebook die evangelische Kirche im Jubiläumsjahr der Reformation bei dieser Aktion unterstützt."

Schon Luther habe vor 500 Jahren mit dem Buchdruck neuste Medientechnik genutzt. "Seine Gedanken konnten sich so in bisher nicht gekannter Weise verbreiten", sagte Jung. Er hoffe, dass das Video bei Facebook viele Menschen begeistert. "Es wäre schön, wenn es viele neugierig macht, um mehr über die Reformation zu erfahren", erläuterte er.

Mit dem Video verweist die EKD auf ein Informationsangebot im Internet, das über die Reformationsgeschichte, die Jubiläumsfeiern und die evangelische Kirche informiert. Auch kommen die EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann und Prominente wie Fußballtrainer Jürgen Klopp zu Wort, die von ihrem Glauben erzählen. Um 22 Uhr am Montag beginnt die "Lange Nacht des Vaterunsers" auf dem Portal "evangelisch.de", die mit Gästen wie dem Sänger Julian Sengelmann auf das Jahr des 500. Reformationsjubiläums zurückblickt.

Mit dem Reformationstag endet das Festjahr, das am 31. Oktober 2016 eröffnet worden war. Ob Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist historisch zweifelhaft. Die Thesen prangerten damalige Missstände der Kirche an, insbesondere den Ablasshandel. Ihr Veröffentlichung gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Gottesdienste und Jubiläumsfeiern in ganz Deutschland

Am 29. Oktober 2017 findet um 15 Uhr ein HR-Fernsehgottesdienst der beiden evangelischen Kirchen in Hessen, EKHN und EKKW, zum 500. Reformationsjubiläum in der Elisabethkirche in Marburg mit Bischof Martin Hein und Kirchenpräsident Volker Jung statt. Mit dabei: Die beiden hessischen Reformationsbotschafter Anke Sevenich und Christopher Posch. Bereits am Wochenende stimmen zudem bundesweit zahlreiche Veranstaltungen und Gottesdienste auf das Jubiläum ein. Das ZDF überträgt am Sonntag um 9.30 Uhr aus Berlin einen Gottesdienst mit der EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann.

Am Montag, 30. Oktober 2017, sendet der SR um 17.05 Uhr einen Gottesdienst zum Reformationstag live aus der Ludwigskirche Saarbrücken. Die Predigt hält der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski.

Am bundesweit einmalig arbeitsfreien Reformationstag 2017 finden in ganz Deutschland Gottesdienste und Jubiläumsfeiern statt. Der BFS und BR1 zeigen um 10 Uhr den Festgottesdienst aus der Kirche St. Lorenz in Nürnberg mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Der WDR und WDR5 übertragen live den gemeinsamen Reformationsgottesdienst der EKvW, EKiR und Lippischen Landeskriche aus der Wiesenkirche in Soest mit Präses Annette Kurschus. Der SWR überträgt um 10 Uhr live den Reformationsgottesdienst der Evangelischen Kirche der Pfalz, der EKHN und der EKiR aus der Dreifaltigkeitskirche in Speyer mit Ulrike Scherf, stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, und Christian Schad, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz. Der zentrale Festgottesdienst beginnt am Nachmittag in Wittenberg, für den Anschluss ist ein Festakt geplant, bei dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen wird. Der Festgottesdienst in der Schlosskirche in Wittenberg zum Reformationstag wird am 31. Oktober um 15 Uhr im Ersten übertragen. Der Festakt im Stadthaus Wittenberg wird ab 17 Uhr live im ZDF zu sehen sein.

Einen Überblick, was wo in den einzelnen Landeskirchen zum Reformationsjubiläum los ist, bietet ekd.de.

Der Festgottesdienst in der Schlosskirche in Wittenberg zum Reformationstag wird am 31. Oktober um 15 Uhr im Ersten übertragen. Der Festakt im Stadthaus Wittenberg wird ab 17 Uhr live im ZDF zu sehen sein.

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