Luthers Einfluss auf die deutsche Kultur ist enorm

Luthers Einfluss auf die deutsche Kultur ist enorm
Martin Luthers Einfluss auf die deutsche Kultur darf nach Ansicht des Bischofs der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, nicht unterschätzt werden. Die Wirkung seiner Bibelübersetzung sowie des Katechismus' und der Gesangbuchlieder halte bis heute an, sagte July am Freitagabend im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

Luthers Wunsch, dass alle Menschen die Bibel lesen können, habe eine Bildungsbewegung angestoßen. Allerdings müsse man sich an den Ecken und Kanten des Reformators und seiner spätmittelalterlichen Prägung abarbeiten. "Ich beneide Luther um die Kräftigkeit seiner Worte, aber nicht um seine Entgleisungen", sagte July. Heutzutage stehe Luther für Freiheit, die allerdings immer mit Gott verbunden sei, der Freiheit schenkt, und nicht mit dem autonomen Freiheitsbegriff der Neuzeit verwechselt werden dürfe.

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Dem Lutherbiografen Willi Winkler zufolge war Luther die erste Person, die es wagte, als Individuum gegen die staatliche und kirchliche Macht aufzubegehren. Luthers Satz "Hier stehe ich und kann nicht anders" sei damals revolutionär gewesen und könne als der Beginn des Individualismus verstanden werden: "Jemand ohne Hausmacht, ohne stehendes Heer, ohne Geld, sagt sich von Rom los und riskiert sein Leben und besteht darauf, dass er im Recht ist", erläuterte der Autor des Buches "Luther: Ein deutscher Rebell".

Winkler betonte, dass es Luthers berühmten Thesenanschlag nie gegeben hatte. Dies zeige sich auch daran, dass der Reformator seine Thesen nicht auf Deutsch für das Volk verfasst habe, sondern auf Latein. Die Thesen seien zur Diskussion in die Gelehrtenwelt versandt worden und sogar in London und Madrid gelesen worden. Die Erfindung des Buchdrucks habe Luther quasi unverwundbar gemacht, da er durch die rasche Verbreitung seiner Schriften schnell populär wurde: "Sein großer Erfolg ist mit dem heutiger Schriftsteller nicht zu vergleichen." 
Durch den Buchdruck, aber auch durch die großen Ressentiments gegen Rom, die viele Deutsche wegen der hohen Gebühren hatten, die sie zahlen mussten, sei die Reformation erst möglich gewesen, ist der Literaturkritiker der "Süddeutschen Zeitung" überzeugt.