"Die Freiheit des Glaubens ist unveräußerliches Menschenrecht."

"Die Freiheit des Glaubens ist unveräußerliches Menschenrecht."
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat vor der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen zum Dialog aufgerufen.

"Gerade in einer Zeit, in der Religion häufig genug missbraucht wird, zur Abschottung und Distanzierung, als Vorwand für schlimmste Gewalttaten", sollten die reformierten Kirchen den friedlichen Dialog fördern, sagte Steinmeier am Freitag vor den Delegierten in der Leipziger Nikolaikirche. Die Kirchen müssten "die friedens- und versöhnungsstiftende Kraft von Religion ganz bewusst herausstellen" und vor allem auch selbst vorleben, unterstrich Steinmeier. Zur offiziellen Eröffnung hatte die Generalversammlung einen Willkommensgottesdienst in der Nikolaikirche gefeiert.

Steinmeier sagte mit Blick auf die zahlreichen Konfessionen, das christliche Zeugnis werde in der heutigen Welt immer weniger glaubwürdig, wenn es mit so unterschiedlichen Stimmen spreche. Daher begrüße er es, wenn sich die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Leipzig der Gemeinsamen Erklärung des Lutherischen Weltbundes und der römisch-katholischen Kirche über die Rechtfertigungslehre anschließe.

"Die Freiheit des Glaubens ist unveräußerliches Menschenrecht."

Zugleich rief der Bundespräsident dazu auf, Stellung zu beziehen, wo Menschen wegen ihres Glaubens und wegen ihres Bekenntnisses verfolgt würden. Dies treffe Menschen vieler Konfessionen, aber es treffe mit neuer Härte gerade auch Christen im Nahen Osten. Steinmeier betonte: "Die Freiheit des Glaubens ist unveräußerliches Menschenrecht."

Die Predigt in der Nikolaikirche hielt der Präsident der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, Jerry Pillay. Er erinnerte an den besonderen Ort und die Rolle der Nikolaikirche in der Zeit der friedlichen Revolution in der DDR. Er sagte, die Kirche brauche Erneuerung in ihren ökumenischen Partnerschaften und ihrem interreligiösen Engagement, um die Herausforderungen in der Welt gemeinsam anzugehen. Die Kirchen seien manchmal zu beschäftigt mit den Schattenseiten und verpassten es, das Wesentliche des Glaubens anzunehmen und zu reflektieren.

Die Versammlung des Dachverbands der Reformierten kommt nur rund alle sieben Jahre zusammen. Die letzten Treffen hatten 2010 in den USA und 2004 in Ghana stattgefunden. Die Leipziger Generalversammlung dauert bis 7. Juli und steht unter dem Motto "Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns".

Nach einem Besuch in Berlin an diesem Sonntag reist die Generalversammlung am 5. Juli an die Wirkungsstätte von Reformator Martin Luther (1483-1546) nach Wittenberg. Dort wollen sich die Reformierten der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" anschließen, die Katholiken und Lutheraner 1999 unterzeichnet hatten.

Weltweit gehören rund 80 Millionen Menschen einer reformierten Kirche an. Die Weltgemeinschaft hat aktuell 233 Mitgliedskirchen, 126 davon haben den Angaben zufolge Delegierte nach Leipzig geschickt. In der Lehre beziehen sich reformierte Christen, anders als etwa die Lutheraner, die theologisch in direkter Nachfolge Luthers stehen, vor allem auf die Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli (1484-1531) aus Zürich und Johannes Calvin (1509-1564), der in Genf wirkte.

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