Tübinger Ehrendoktor für Ehrenoberhaupt der Orthodoxen

Ehrenoberhaupt der orthodoxen Weltkirche, Patriarch Bartholomaeus I.

Foto: epd-bild/Sascha Baumann

Tübinger Ehrendoktor für Ehrenoberhaupt der Orthodoxen
Das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Weltkirche, Patriarch Bartholomäus I., hat die Bedeutung der Reformation gewürdigt. Martin Luthers Wirken sei von weltgeschichtlicher Bedeutung, er habe die gesamte Kultur im Westen verändert, sagte er am Montagabend in Stuttgart zum Auftakt seines fünftägigen Deutschland-Besuchs. Zugleich warb er für eine "liturgische Diakonie". Gottesdienst und Menschendienst müssten das Leben der Kirche prägen, sagte er.

Bartholomäus sollte am Dienstag in Tübingen die Ehrendoktorwürde der Evangelisch-theologischen Fakultät erhalten. Damit würden sein Engagement für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit, für die evangelisch-orthodoxe Verständigung und für die Bewahrung der Schöpfung geehrt, sagte Fakultätsdekan Michael Tilly am Montagabend in Stuttgart bei einem Empfang für den Patriarchen. Bartholomäus hatte zum Auftakt seines Deutschland-Besuchs nach einer Begegnung mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine orthodoxe Vesper in der Stuttgarter Stiftskirche gefeiert.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nannte in einem Grußwort Bartholomäus eine "besonders profilierte und glaubwürdige Stimme" des Dialogs der Konfessionen. Ein vom Patriarchen geleitetes orthodoxes Konzil im vergangenen Jahr auf Kreta habe sich für einen Ausbau dieses Dialogs ausgesprochen. Die Auslandsbischöfin der EKD, Petra Bosse-Huber, vertrat die Ansicht, dass es bei interkonfessionellen Gesprächen nicht zuerst um eine Übereinstimmung in der christlichen Lehre gehe, sondern um die Überwindung von Klischees und Stereotypen, die man im Blick auf die andere Konfession habe.

Der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, nannte es eine gemeinsame Verantwortung von Christen, gegen alle Fundamentalismen und Nationalismen für einen offenen Dialog zu werben. Freiheit und Friede seien bedroht, wo Abschottung und Ausgrenzung herrschten. Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, würdigte die Impulse der orthodoxen Kirche für die Ökumene. So habe es wichtige Anregungen für die Bewahrung der Schöpfung gegeben, die zu einem gemeinsam gefeierten "Tag der Schöpfung" Anfang September geführt hätten, sagte er.

Am Mittwoch reist der Patriarch für verschiedene Termine nach Berlin, der Besuch endet am 2. Juni. Schätzungen zufolge gibt es weltweit rund 300 Millionen orthodoxe Christen, etwa eine Million davon in Deutschland. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel mit Sitz im heutigen Istanbul hat eine Art Ehrenvorsitz in der Orthodoxie inne.

Die orthodoxen Kirchen gehören zu den großen Konfessionsfamilien des Christentums. Es sind jene Kirchen, die in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches entstanden sind oder von dort aus durch Mission gegründet wurden. Aufgrund des Entstehungsgebietes werden sie auch "Ostkirchen" genannt. Nach jahrhundertelangem Streit um theologische, politische und kulturelle Fragen spaltete sich das Christentum im 11. Jahrhundert endgültig in einen östlichen und einen westlichen Zweig. Die orthodoxe sowie die römisch-katholische Kirche entwickelten sich danach weitgehend unabhängig voneinander.

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